Fein auf Aal

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Fein fängt zu Saisonbeginn einfach besser! Diesen Aal überlistete Matze mit einer sensiblen Wagglermontage an der Matchrute.
Fein fängt zu Saisonbeginn einfach besser! Diesen Aal überlistete Matze mit einer sensiblen Wagglermontage an der Matchrute.

MONI und MATZE KOCH angeln leidenschaftlich gern auf Aal. Im Frühling aber nicht mit grobem Zeug, sondern mit Matchrute und Waggler.

Solange ich denken kann, bin ich bekennender „Grobangler“. „Lieber etwas zu schwer als fahrlässig“, lautet mein Motto. Eigentlich gehören auch Aale zu den Kandidaten, denen ich mit grobem Geschirr begegne. Denn im „Drill“ müssen die Schlängler schnell vom Boden hochgepumpt werden. Ansonsten setzen sie sich sofort fest, und der Angler hat das Nachsehen. Aber keine Regel ohne Ausnahme! Wenn ich als Kind schon im kalten März ungeduldig auf Aal zu angeln begann, ließen sich die ersten Wasserschlangen der Saison in den flachen Zonen, die tagsüber von der Sonne erwärmt wurden, überlisten. Bis Ende Mai nahmen die Fänge dann kontinuierlich zu. Allerdings waren damals die Aalbestände noch traumhaft gut. Fänge von zehn Exemplaren am Abend sind keine Seltenheit gewesen. Doch dann kam  der große Bruch im Frühjahr. Die Aale schienen wie ausgestorben. Dabei wussten wir genau, dass die Brassen gerade laichten. Kurzum: Ein Schlaraffenland, in dem sich die Aale an den nahrhaften Weißfischeiern mästen konnten. Und welcher Feinschmecker frisst schon Tauwürmer, wenn es Kaviar ganz ohne Haken gibt?

In der Folge suchten wir uns einen neuen Zielfisch für den Frühling, nämlich den Zander. Also wurde die Stippe rausgekramt, und los ging es zum Köderfischfang. Und dann kam das Verrückte: Wir fingen Aale! Und beim Ausnehmen der Beute stellte ich fest: Die Mägen waren voller Maden, das heißt, die Schlängler verleibten sich auch die Krabbler ein, die ich angefüttert hatte.

Ein kleines Déjà-Vu-Erlebnis ist mir schließlich während einer Revier-Reportage widerfahren. Ich bin mit meiner Frau Moni an einem uns unbekannten Flusslauf. Die Aufgaben sind klar verteilt: Sie fischt auf ihre Lieblinge, die Aale. Ich dagegen versuche mich im Spinnfischen und probiere zwischendurch, auch ein paar Brassen an die Matchrute zu bringen. Schon nach wenigen Minuten kann Moni einen 42er Aal vorweisen. Aber sie beklagt auch viele Fehlbisse. Sind Wollhandkrabben im Spiel? Nach ein paar Brassen geht auch mein Waggler wieder zögerlich auf Wanderschaft. Routinemäßig schlage ich an. Doch dieser Widerstand fühlt sich nicht nach Brassen an! Und tatsächlich, mit etwas Glück gelingt es mir, einen 45er Aal mit sanftem Schwung aufs Ufer zu schlenzen. Der feine 14er Brassenhaken hatte wider Erwarten gehalten. Zufall? Mitnichten!

Dem ersten folgt noch ein zweiter Aal. Um nicht allzu viele Kleinfische anzulocken, habe ich nicht mit Futterballen angefüttert, sondern ausschließlich Maden als Lockgaben eingeworfen. Monis Würmer verführten an diesem Abend indes keine Aale mehr.

Moni Koch weiß, wie es beim Aalangeln am besten läuft.
Moni Koch weiß, wie es beim Aalangeln am besten läuft.

Kleine Köder im Frühjahr

Die wiederbelebte Erkenntnis aus meiner Jugendzeit bestätigt sich in den folgenden Tagen noch einige Male an anderen Stellen. Zur Brassenlaichzeit werden Tauwürmer links liegengelassen, während Maden noch Abnehmer finden. Kein Wunder, denn wenn die Aale so auf Fischrogen eingeschossen ist, mögen sie eben keine fetten Happen mehr. Miniköder  passen jetzt viel besser ins Beuteschema. Deshalb laufen die kleinen Leckerbissen der Stipper Wurmklassikern zwischenzeitlich den Rang ab. Und das gilt beileibe nicht nur für die kleineren Spitzkopfaale. Auch die räuberischen Breitköpfe nehmen zu Beginn der Saison ausgesprochen gern ein quirliges Madenbündel „an Kaviar“.

Neben Maden haben sich auch Pinkies bewährt. Besonders die längere Haltbarkeit macht die „Minimaden“ zu einem guten Aalköder. Man hat ja nicht jede Nacht ideales Ansitzwetter. Da zahlt es sich aus, wenn im Kühlschrank ein Ködervorrat lagert, der monatelang hält. Caster wiederum sind glänzend geeignet, um damit anzufüttern. Besonders wenn man die Puppen vorher zerdrückt, verbreiten sie unter Wasser eine Protein-Duftwolke, die der Riechkünstler  Aal garantiert erschnüffelt.

Der Einsatz von Castern hängt allerdings vom Weißfischaufkommen ab. Brasse, Plötze & Co. sollten nicht unbedingt in Massen vertreten sein. „Laufen“ die Aale, und beißen sie etwas gieriger, kann man auch kleine Wurmstücke, die direkt hinter der Hakenspitze abgekniffen werden, oder Bienenmaden beziehungsweise Tebolarven, anbieten. Auch nicht zu verachten ist ein halber Gelbschwanz – Mistwürmer sind ja ausgesprochen quirlig und verströmen einen sehr intensiven Geruch.

Mit Castern durchsetzte Maden sind oft etwas billger. Zudem eignen sich die Puppen gut zum Anfüttern.
Mit Castern durchsetzte Maden sind oft etwas billger. Zudem eignen sich die Puppen gut zum Anfüttern.

Extra Tipp: Flach ablegen

An windstillen Tagen, wenn kein Luftzug die Wasseroberfläche kräuselt, kann es Sinn machen, die Montage auf Übertiefe einzustellen. Dazu wird der Waggler nicht wie üblich, das heißt, so ausgebleit, dass die Spitze zwei Zentimeter aus dem Wasser ragt, sondern einfach flach auf die Oberfläche gelegt. Dadurch werden Bisse schneller angezeigt. Man erkennt das am zaghaften Vibrieren der Pose auf dem Wasserfilm. Die kleinen Wellen zeigen auch ein extrem vorsichtiges Antesten des Köders an. Vorgebleite Wagglermodelle sind hierfür natürlich nicht geeignet. Wenn man länger auf Bisse warten muss, macht auch ein elektronischer  Bissanzeiger Sinn. Dazu sollte der Pieper allerdings auch leichte Schnurzüge an lockerer Leine anzeigen. Der Delkim ist der einzige mir bekannte Bissanzeiger, der dieses Kunststück fertigbringt. Er ist allerdings nur dann von Nutzen, wenn man dicht vor der Rutenspitze fischt. Sonst werden jene Bisse nicht angezeigt, bei denen der Fisch auf den Angler zusteuert.

Auf Matzes Lieblingsköder ist im Mai Verlass: Die fünf Maden am 10er Brassenhaken haben mal wieder einen Aal aus dem Flachwasser gezaubert.
Auf Matzes Lieblingsköder ist im Mai Verlass: Die fünf Maden am 10er Brassenhaken haben mal wieder einen Aal aus dem Flachwasser gezaubert.

Es läuft, wo Brassen laichen

Besonders wichtig für Aalangler ist es, die richtigen Stellen für den Früjahrsansitz zu befischen. Brassenlaich findet sich meist dicht am Ufer. Ebendort fressen jetzt auch die Aale. Dabei hilft es ungemein, hier immer mal wieder einige Maden lose einzuwerfen – wobei weniger oft mehr ist. Sparsame Gaben machen die Wasserschlangen neugierig und animieren zum Fressen. Ein Riesenteppich würde dagegen nur allzu viele Weißfische auf den Plan zu rufen. Streuen Sie also die Maden auf einer Fläche von etwa fünf bis zehn Quadratmetern. Auch wenn ich mit dem feinen Aalgeschirr Steinpackungen bewusst meide, habe ich meine Montage für den gezielten Ansitz auf die kraftvollen Schlangen angepasst.

Als Hauptschnur kommt eine 0,20er bis 0,25er Monofilleine guter Qualität zum Tragen. Auf den letzten Metern verwende ich auch gern 0,22er Fluorocarbon; vor allem wegen der hohen Abriebfestigkeit. Bei der Farbe der Leine schwöre ich auf grünliches oder klares Material. Das Vorfach wähle ich nur zwei Hunderstel dünner oder, noch besser, ich binde den Haken direkt an die Hauptschnur. Hier sollte man buchstäblich auf Spitzenqualität achten. Ein perfekter Aalhaken ist dünndrähtig und nadelscharf. Bei mir hat er die Größe 10. Damit lässt sich ein Bündel aus fünf Maden raffiniert anbieten. Kleinere Haken bergen zu viele Risiken. Größere würden mehr Maden erfordern, und der Miniködertrumpf wäre dahin. Ein Supereisen ist der Gamakatsu Brassenhaken. Daran weiß ich nicht nur die Schärfe und Stabilität zu schätzen. Gamakatsu bietet Vorfachlängen zwischen 70 und 100 Zentimetern, womit man sehr flexibel bleibt. Zu der knapp vier Meter langen Matchrute passt eine kleine 2500er Rolle, und die Bisse zeigt mir eine sensible Wagglermontage sicher an.

Alternativ zu Maden können auch Bienenmaden (l.) und Tebolarven einen Versuch auf Aal lohnen. Hauptsache, der Frühlingsköder ist klein und quirlig.
Alternativ zu Maden können auch Bienenmaden (l.) und Tebolarven einen Versuch auf Aal lohnen. Hauptsache, der Frühlingsköder ist klein und quirlig.

Auf Grund gelegt

Mit der Matchrute biete ich die Maden selbstverständlich auf Grund liegend an. Denn sobald das Bündel über dem Boden schwebt, hagelt es Plötzenbisse. Um die Montage am Platz zu halten, sollte möglichst nur ein Bleischrot auf Grund liegen. Die Größe des Gewichts hängt von den Wind- und Strömungsverhältnissen ab.

Wer etwas weiter entfernt vom Ufer fein auf Aal fischen möchte, kann alternativ auch über den Einsatz einer sensiblen Grundmontage nachdenken. An der Pickerrute erkennt man nicht nur Rotaugenbisse. Die extra-weiche Spitze zeigt auch Aalbisse sehr zuverlässig an.

Als begeisterter „Zweckentfremder“, der sich nicht gern in Vorgaben von Angelgeräteherstellern pressen lässt, habe ich sogar schon Dropshot-Ruten für diese Art der Grundangelei verwendet. Denn die Spezialgerten haben ein wenig mehr Rückgrat zu bieten, gleichwohl aber eine sehr sensible Spitze. Oft ist die sogar rot eingefärbt, was die  Bisserkennung augenscheinlich erleichtert.

Egal für welche Kombi Sie sich entscheiden, denken Sie dabei bitte immer an die Grundsätze der Waidgerechtigkeit. Die Geräteabstimmung muss passen. Fischen Sie niemals fein auf Aal in hängerträchtigem Terrain. Dafür sind schwere Grundruten konzipiert worden. Auch braucht es eine starke Schnur, um den kraftvollen Schlängler von Hindernissen fern halten zu können. Vergessen Sie auch nie den Kescher. Während eines herkömmlichen Aalansitzes mit starkem Grundgeschirr kann man die Schlängler noch ziemlich problemlos aus dem Wasser heben. Aber beim feinen Matchangeln erfordert schon ein 250 Gramm schweres Exemplar den Einsatz eines Unterfangnetzes. Nicht vergessen werden darf der Hakenlöser. Dabei geht es weniger um die Aale als vielmehr darum, Beifänge in Form von Weißfischen schnell versorgen zu können.

Geräte-Check

Rute: Matchrute, gern die Greys G-Tec Power Float 13“ (3,90 m)

Rolle: Kleine Stationärrolle, z.B. die Daiwa Exceler 2500

Schnur: Fluorocarbon, 0,20-0,25 mm stark

Haken: Gamakatsu-Brassenhaken, Größe 10 am 70-cm-Vorfach, 0,15-0,18 mm

Pose: Waggler, Tragkraft 3-5 g

Zubehör: Delkim-Bissanzeiger, Stipperkescher mit Alurahmen

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