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Biotopzerstörung an der Luhe

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Luhe
An der Rasenkante erkennt man den normalen Wasserstand der Luhe. Für 14 Tage wurde vom Wehrbetreiber der Wasserstand auf nur noch 25 cm abgesenkt.

Am 14. März 2009 kamen Mitglieder des SFV Elbe am Wehr Luhdorf aus dem Staunen nicht mehr heraus: Man hatte die Luhe oberhalb des Wehres auf nur noch 25 cm Wassertiefe abgesenkt.

22.04.2009

So entstand bis zum Wehr eine regelrechte „Rennbahn“ in dem niedersächsischen Fluss durch die das wenige Restwasser über den Sandboden schoss. Die Ufer waren trocken gefallen, selbst die Wasserpflanzen-Bänke aus Sternkraut oder Hahnenfuß lagen platt am Boden, alle Fische waren natürlich restlos verschwunden. Was war geschehen? Der im Urlaub weilende Wehrbetreiber hatte seinem Stellvertreter die Arbeit überlassen und dieser hatte auf Grund einer Störung der Turbine das komplette Wehr geöffnet, mit unabsehbaren Folgen für die Lebewelt im Gewässer. Keinesfalls wolle er das Wehr wieder schließen, erklärte er dem entsetzten Salmonidenwart des SFV Elbe, der umgehend eine Strafanzeige einleitete. Jetzt sind über weite Strecken die Fische im Staubereich verschwunden, Kleinlebewesen, wie z.B. Bachflohkrebs, Nymphen, Köcherfliegenlarven etc., wurden fortgespült oder sind mangels Wasser nicht mehr vorhanden. Ob die Wasserpflanzen als wichtige Lebensräume und Unterstände das Trockenfallen von mehr als 14 Tagen überstanden haben, wird sich noch herausstellen müssen. Den inzwischen neu aufgestauten Flussabschnitt jetzt wieder mit Fischen zu besetzen, wäre sehr unklug, da die Salmoniden derzeit mangels Futter verhungern würden. Es wird wohl Jahre brauchen bis dieser Gewässerabschnitt wieder vollends hergestellt ist. Unterhalb des Wehres in einem kiesigen Flussbereich von ca. 6oo m Länge befinden sich zur Freude der Angler seit Jahren wissenschaftlich nachgewiesene und kartierte Laichbetten von Lachsen und Meerforellen. Diese sind höchstwahrscheinlich jetzt durch den Sand aus dem Staubereich zusedimentiert worden. Für Laich oder Larven das Todesurteil, für den Verein ein Desaster in Hinblick auf die Einbürgerung von Wandersalmoniden. Die Hamburger Presse wurde schnell aktiv und befragte zuerst den Pressesprecher des Landkreises. Dieser stellte fest, dass das Problem wohl nicht so groß sei und im Übrigen wolle der Wehrbetreiber ja auch Geld mit seiner Stromerzeugung verdienen. Der SFV Elbe hat keine Zeit verschwendet und sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit die Schäden erfasst werden, und um so ein Ereignis zukünftig zu verhindern. Anglerverbände, Wasserbau-, Naturschutzbehörden und – verbände zeigten großes Interesse und haben dem Verein Unterstützung angeboten.

Lebensraum für Wanderfische

Das Salmonidenflüsschen Luhe ist neben der Neetze das größte Nebengewässer der Ilmenau und ökologisch von sehr großer Bedeutung für die Lüneburger Heide. Leider transportiert der einstmals kiesige Fluss inzwischen sehr viel Sand, zusätzlich sind Abschnitte aufgestaut, aber mit funktionierenden Fischtreppen ausgerüstet. So befindet sich auch in Luhdorf ein Wehr, dessen privater Betreiber den Anstau von etwa 1,6 Metern mit einer Turbine zur Stromgewinnung nutzt. Der große Bereiche der Luhe bewirtschaftende Sportfischerverein „Elbe e. V., Hamburg“ (SFV) hat seit 1978 mit enormen Anstrengungen und finanziellem Aufwand ein jährliches Zucht- und Besatzprogramm für die Wiedereinbürgerung von Lachs und Meerforelle aufgelegt, dessen Erfolge sich mehr und mehr einstellen. Ziel ist die selbstständige natürliche Vermehrung dieser herrlichen Wandersalmoniden, ein nicht einfaches Unterfangen. Seit einigen Jahren wird zusätzlich, auch durch öffentliche Zuschüsse, ein weiteres Besatzprogramm zur Wiedereinbürgerung des selten gewordenen Nordseeschnäpels durchgeführt. Weitere Fischarten in der Luhe sind Bach-, Regenbogenforellen, Äschen, gelegentliche Bachsaiblinge und natürlich auch Aale. -Horst Schröder-

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