Auf Zander im Frühjahr

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Im März stehen die Chancen auf einen Großzander besonders gut. Bei der Platzwahl sollte man vor allem die Wassertemperaturen genau im Blick haben. Von Uli Beyer

Schonzeiten sind schon hart für eingefleischte Raubfischangler. Aber zum Glück ist zumindest in einigen Bundesländern der Zander etwas länger „offen“ als der Hecht. Wer das Glück hat, auf einen der wilden Frühjahrszander angeln zu dürfen, sollte diese Chance jetzt unbedingt nutzen. Denn bevor es ab April in die Laich- und Schonzeit geht, sind die Stachelritter noch einmal besonders gefräßig. Der Monat März gilt bei Spezialisten als einer der besten Fangmonate überhaupt. Auch ich bemühe mich regelmäßig, den Stachelräubern in dieser Zeit intensiv nachzustellen, denn sie sind dann auch extrem aggressiv, vielfältig zu fangen und besonders die kapitalen Exemplare dann häufiger unterwegs. Allerdings muss man wissen, wie man die Frühjahrszander erfolgreich sucht und beangelt.

Typisch Frühjahr: Einmal mehr freut sich Uli über das Gardemaß.
Wenn‘s im Flachen läuft, nehmen die Zander natürlich nicht nur Gummiköder, sondern gern auch mal einen Jerkbait.

Hotspots im Stillen: Warm und flach

Sehr gern angle ich im März mit meinen Kunden im holländischen Rheindelta. Dutzende andere Angler treiben sich bei schönem Frühlingswetter zwar auch auf den riesigen Stillwassern herum, sind aber vornehmlich mit der Vertikalrute im Tiefen unterwegs. Abgesehen davon, dass ich sehr ungern Zandern in Wassertiefen von über zehn Metern nachstelle, ist das besonders für Kapitale eigentlich auch gar nicht mehr nötig. Die sonnigen Frühjahrstage erwärmen Flachwasserzonen schon recht stark, und wie sonst selten im Jahr finden wir dann viele und besonders große Zander in diesen seichten, aufgewärmten Bereichen.

Zugegeben: Es sind meist deutlich weniger Fische, die wir im Frühjahr tatsächlich fangen, aber ausgesprochen groß sind sie häufig! Sehr gern erinnere ich mich an eine Fischereikontrolle von holländischen Polizisten, die per Boot schnurstracks auf uns zugefahren kamen und freundlich, aber bestimmt darauf hinwiesen, dass der Hecht in Holland bereits Schonzeit habe. Ebenso freundlich und stolz erwiderten wir der Polizei, dass wir das wüssten und den großen Zandern nachstellten. Ungläubig sahen die Polizisten auf unsere Großköder und meinten, dass die Spezi- alisten doch alle im „Tiefwasser“ angelten. Glücklicherweise hatten wir bereits einige schöne Fotos mit dicken Zandern auf der Digicam vorzuweisen, was die Beamten beruhigt weiterfahren ließ.

Eigentlich ist es recht einfach, die Zander im Frühjahr zu finden: Sie sind fast immer dort, wo das Wasser besonders warm ist. Die buchstäblich heißesten Stellen sind die mit der höchsten Temperatur. Und haben Sie bloß keine Angst vor Flachwasser! Wenn die Sonne scheint, kann es in ein bis zwei Meter tiefem Wasser schnell mal drei, vier Grad Grad wärmer als in anderen (tieferen) Zonen sein. Zander sind eben „Warmduscher“. Je molliger es ist, desto besser. Wird an solchen warmen Plätzen noch dazu das Wasser durch auflandigen Wind angetrübt, kann man fast darauf wetten, dass einige kapitale Zander in der Nähe sind.

 

Märzzander zeigen sich besonders bissig, wenn trübes, mildes Wetter auf eine kalte Hochdruckphase folgt.

Sonderfall Fließwasser: Auf Verbundzonen achten

Im Fluss sieht die Sache etwas anders aus. Der März ist auch hier ein sehr interessanter Fangmonat. Allerdings kommen die Stromzander aus dem Tiefenwasser erst langsam in Fahrt, und dort, wo es Nebengewässer, zum Beispiel Baggerseen, Kanäle, Hafenbecken mit Flussanbindung gibt, sind diese Verbundzonen allererste Wahl.

Mit steigenden Temperaturen im März verlassen die Zander die Winterplätze (fast immer sehr tiefe Stillbereiche) und suchen gezielt Warmwasserzonen und Mündungsgebiete auf. Dort finden sie vor allem auch einen reich gedeckten Tisch. Einziger Hinderungsgrund für einen guten Fangplatz könnte hier Schmelzwasser im Fluss sein. Das ist absolutes Gift für Zanderangler! Sollte es noch Schmelzwasser geben, suchen Sie die am weitesten entfernten Stillbereiche auf.

Aber Achtung, sowohl was das Angeln im Fluss wie auch im Stillwasser betrifft: Vor zwei Jahren hatten wir einen Extremwinter mit noch immer sehr niedrigen Märztemperaturen. Sollte es noch winterlich kalt geblieben sein, verschieben sich die Aktivitäten unserer Wunschfische zeitlich. Ist die Aufwärmperiode noch ausgeblieben, müssen wir es im Tiefenwasser unseres Reviers probieren. Verantwortungsvolle Angler meiden jedoch Tiefen von über zwölf Metern, denn unversehrt zurücksetzen kann man dann keinen der dadurch tödlich verletzten (untermaßigen) Zander mehr …

In diesem Fall biss der glasäugige Räuber auf einen Nils Master-Wobbler. Auch beim Zanderangeln geht Uli mit Stahlvorfach auf Nummer sicher.

Die Köderfrage: Groß und nicht nur Gummi

Märzzander sind hungrig, speziell die großen Exemplare sogar als gierig zu bezeichnen. Wer seine Chance auf einen starken Stachelritter vergrößeren will, sollte nicht mit „Kinderködern“ loslegen, sondern ruhig ordentliche Verführer zwischen 15 und 20 Zentimeter Länge präsentieren. Ich will nicht versprechen, dass Sie damit garantiert große Fische fangen, aber zumindest steigen die Chancen darauf stark. Was aber wahrscheinlich ist: Sie werden staunen, dass auch die kleineren Zander zu dieser Jahreszeit öfter mal einen ordentlichen Happen attackieren.

Je nachdem, wo und vor allem in welcher Tiefe wir anbieten, sind es nicht immer nur herkömmliche Gummiköder, die ziehen, sondern – besonders im Flachwasser – auch gängige Hechtköder wie Jerkbaits und Wobbler. Ich weiß, dass viele Angler nicht so richtig an diese Köder, zumal im Flachwasser, glauben mögen,was die Wirkung auf Zander betrifft. Zugegeben, es kostet Überwindung, aber ich habe mich selbst geärgert, nicht früher in diese Richtungen experimentiert zu haben. Bei vielen Hängern oder sogar Bewuchs sind die Wobbler und Jerks sogar erheblich besser, weil man den Bodenkontakt damit vermeiden kann. Im Fluss kann man dann jedoch getrost am Tage Gummis probieren. Hier sind es meist die Top-Köder, bevor die Dämmerung aufzieht. Mit Beginn der Dunkelheit ziehen die Zander schließlich in die flachen Zonen und beißen dort äußerst gut auf Wobbler & Co.

Nicht unbedingt ein „Monsterzander“, aber einmal mehr der Beweis für Uli, dass die Zielfische gut auf flachen, von der Sonne erwärmten Flächen beißen.

Die Beißzeiten: Je nach Wetter & Revier

Wir müssen bei diesem Punkt ebenfalls zwischen Fluss- und Stillwasserangelei unterscheiden. Im See kann man eigentlich ganztägig einen guten Fisch erwarten, aber dennoch scheinen die glasäugigen Räuber auch erst mit steigenden Temperaturen im Tagesverlauf so richtig in Fahrt zu kommen. Ist es trüb, mild, regnerisch, kann man rund um die Uhr Bisse erwarten. Zeigt sich das Wetter aber sonnig und klar, werden die Fische erst mit steigenden Temperaturen munter. Besonders im März ist es dann morgens häufig noch frostig-kalt, und sehr oft sind die Fangaussichten dann weniger gut. Wenn die Sonne eine Weile geschienen hat, steigen die Fangaussichten erheblich, und die Top- Zeit fällt fast immer auf den späten Nachmittag und die Dämmerungsphase am Abend. Das Wasser ist dann optimal aufgewärmt, dazu kommt noch das für die Glasaugen günstige Licht.

Flusszander sind in dieser Jahreszeit deutlich weniger besonderen Temperaturschwankungen im Tagesverlauf ausgesetzt. Die Beißzeiten werden sehr viel stärker von der Wassertrübung und dem Lichteinfall beeinflusst. Offen gestanden, kann es rund um die Uhr gute Bisse ge- ben. Meine Lieblingsangelzeiten sind dann aber auch die frühen und späten Stunden während der Dämmerungsphasen. Bei starker Wassertrübung verlagert sich die Aktivität der Fische dann aber häufig auch in die hellen Tagesstunden.

Sowohl am Still- als auch im Fließwasser sollte Sie nichts zu Hause halten, wenn es zwei bis drei Tage hintereinander einen deutlichen Temperaturanstieg gegeben hat. Das macht die Fische regelrecht ra- send, und sie beißen fast immer außerordentlich gut nach einer solchen Aufwärmung. Wer zu dieser Jahreszeit regelmäßig ans Wasser kommt und zu einer bestimmten Tageszeit Bisse hat, sollte sich diese heißen Phasen auch an den Folgetagen vornehmen. Zander sind nämlich „Ge- wohnheitstiere“. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Viele Angler vermuten, dass die Zander nur zu ebendieser Zeit wirklich beißen. Das kann, muss aber nicht sein. Ich habe festgestellt, dass die Fische häufig feste Fressrouten haben. Vor allem dort, wo mehrere Angler gemeinsam am Ufer stehen, kann man öfter beobachten, dass ein ganzer Zandertrupp fressend vorbei zieht. So beginnt es zum Beispiel links zu beißen, geht durch die Mitte nach rechts weiter und später vielleicht sogar das Ganze noch einmal in umgekehrter Folge. Findet man andere Fressplätze zu anderen Tageszeiten, so kann man deutlich länger fangen.

In diesem Sinne: Petri Heil!

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