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Auf Hechtjagd mit Jan Eggers

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Bild: Jan Eggers
Jungangler-Auflauf am Polder: Jan Eggers‘ Lieblingsköder hat wieder gepunktet. Bild: Jan Eggers
Bild: Jan Eggers
Viele gute Hechtstellen liegen oft an einem stark befahrenen Weg. Bild: Jan Eggers
Bild: Jan Eggers
Selbst in den kleinsten Gräben leben gute Hechte. Bild: Jan Eggers

Saisonstart an den Poldergräben: Im 2. Teil seiner neuen Serie verrät Jan Eggers seinen besten Köder für den September.

Nicht zu sonnig und Wellengang – das perfekte Hechtwetter im September. Bild: Jan Eggers

Im ersten Teil dieser Serie habe ich erklärt, wie die Polder entstanden sind und welche verschiedenen Polder-Typen man als Angler erwarten kann. Es handelt sich dabei vor allem um stehende Gewässer in einem Netzwerk aus unzähligen Gräben, kleinen Seen und etwas größere Entwässerungskanälen mit einer Tiefe von 50 bis 150 Zentimetern. Kurzum, ein Gewässertyp, der in Deutschland, mit der Ausnahme Ostfriesland, nur sehr wenig vorkommt. Im ersten Teil habe ich genug gesagt über die Gewässertypen, die man als Angler in den Poldern erwarten kann. Jetzt geht es nur noch um das erfolgreiche Hechtangeln im Poldergebiet.

Gute Vorbereitung ist alles

Den VISpas und die „Lijst van Viswateren“ muss ein Angler in den Niederlanden immer am Mann haben. Bild: Jan Eggers

Als Angeljournalist werde ich regelmäßig an interessante Gewässer im Ausland eingeladen. Meistens wurde ich von einem lokalen Angelguide begleitet, natürlich hatte ich zuvor auch meine Hausarbeiten gemacht. Ich denke dabei vor allem an das richtige Angelgerät, die notwendigen Lizenzen und die passende Kleidung für die Jahreszeit. Inzwischen können wir sehr leicht die notwendigen Informationen über jedes Angelrevier übers Internet zusammensuchen. Ich könnte ein ganzes Kapitel mit Adressen von Personen und Organisationen füllen, die für die Polderangelei von Wichtigkeit sind. Aber ich vermute, dass alle lieber lesen wollen, wie man dort Freund Esox an den Haken bekommen kann. Darum nenne ich nur zwei Webseiten, auf denen man alle notwendigen Infos über die Angelei in den Niederlanden finden kann. Zu allererst: www.sportvisserijnederland.nl, unsere nationale niederländische Angelsport-Organisation. Hier kann man den VISpas und auch Broschüren in deutscher Sprache anfordern. Dort findet man auch alles über Mindestmaße und Schonzeiten, deutschen Gastanglern wird dort gerne geholfen.

Sehr viele fischreiche Polder liegen auf dem Gebiet der Föderation Sportvisserij MidWest Nederland: www.sportvisserijmidwestnederland.nl. Als Geschäftsführer des Angelclubs Willem Barendsz in Onderdijk-Wervershoof mit mehr als 800 deutschen Mitgliedern weiß ich aus Erfahrung, dass unsere Föderation sehr hilfsbereit ist, wenn es um die Fragen deutscher Gastangler geht. Also: Kontakt aufnehmen!

Herbstzeit ist Hechtzeit!

Es ist noch keine 20 Jahre her, da wurde in den meisten niederländischen Poldern die Hechtsaison erst am 1. September eröffnet. Für mich war das dann eine Art Nationalfeiertag und ich hoffte immer auf nicht zu warmes und sonniges Wetter. Ich bevorzugte an diesem Tag lieber raues Herbstwetter und vor allem viel Wind.

Abu-Kapselrollen, seit fast 50 Jahren Jans Lieblings-Spinnrollen für die Polder. Bild: Jann Eggers

Inzwischen beginnt die Hechtsaison in den Niederlanden offiziell am letzten Samstag im Mai. Alles in allem dürfen wir jetzt ungefähr drei Monate länger auf Hecht angeln, aber ehrlich gesagt, nutze ich diese zusätzliche Zeit zum Hechtangeln kaum. Für mich beginnt die richtige Hechtzeit in den Poldern, wenn der Herbst seinen Einzug hält, und das wird auch immer so bleiben. Im September wuchern in vielen Poldergräben noch die Wasserpflanzen, das Schilf steht noch sehr hoch am Ufer. Beides erfordert angepasstes Gerät und entsprechende Kunstköder. Die längere zweiteilige Spinnrute, mit der ich dann fische, ist aus Kohlefaser. Sie hat bei einem Wurfgewicht von 15-20 Gramm eine ziemlich weiche Spitze aus Composite-Material (Kohlefaser-Glasfaser-Gemisch). An dieser Rute fische ich inzwischen seit fast 50 Jahren die beste Rolle zum Spinnfischen am Polder: eine rote Abu 505 oder eine graue Abu 506, beides Kapselrollen. Und auf der Spule? Schon seit vielen Jahren geflochtene Dyneema in der Dicke 0,20 Millimeter, daran ein 20 Zentimeter langes Stahlvorfach mit 20lb Tragkraft. Es gibt keinen Grund für leichteres Gerät. Ich möchte nicht, dass Hechte mit meinem Kunstköder im Maul und abgerissener Schnur umherschwimmen, und womöglich einen elendigen Tot sterben, nur weil ich sportlich (?) leicht fischen wollte.

Mit diesem Gerät habe ich an den abschüssigen, hohen Ufern der weit verzweigten Gräben und an den mit Schilf bewachsenen Ufern wenig Probleme beim Werfen, der Köderführung und beim Führen des gehakten Fisches im Drill.

Mein Lieblingsköder für den Herbst: Spinner

Für den Flachwasser-Einsatz: Gute unbeschwerte Spinner für die Polder. Bild: Jan Eggers

Sollte es mich einmal auf eine einsame Insel verschlagen, eine Insel mit Gräben und Hechten darin, und müsste ich mich für nur einen Kunstköder entscheiden, dann würde ich auf jeden Fall einen unbeschwerten Spinner mitnehmen.

Mein Vertrauen in die Fangkraft von diesem Stückchen Blech, manchmal auch mit zwei Spinnerblättern, die im Wasser rotieren, ist enorm. Nicht weiter verwunderlich, wo ich doch seit fast 60 Jahren damit Polderhechte fange. Doch ausschlaggebend für den Fangerfolg ist nicht die Form, Farbe, Größe oder der Markennamen des Spinners. Alles dreht sich um die richtige Präsentation, die den Hecht und auch andere Raubfische dazu bringt, nach diesem Köder zu schnappen. “Richtige Präsentation” sagt sich so einfach, doch was bedeutet dieser Begriff genau und wie führt man einen Spinner in den Poldern richtig?

Jan Eggers landet seine Fische immer mit der schonenden Handlandung, so können sich keine Drillinge im Netz verfangen und das Hakenlösen behindern. Bild: Jan Eggers

Ich möchte die richtige Köderführung des Spinners in einem durchschnittlichen Poldergraben hier einmal genau beschreiben. Am liebsten befische ich so einen Graben in der Längsrichtung von links nach rechts. Ich werfe meinen Spinner diagonal ans andere Ufer. Aufpassen, dass sich der Spinner am anderen Ufer nicht gleich in Wasserpflanzen oder Schilf verfängt. Wenn der Spinner auf dem Wasser aufschlägt, beginne ich sofort mit dem Einkurbeln. Indem ich die Spitze der Rute höher oder tiefer halte, kann ich die Lauftiefe des Spinners bestimmen. Immer den Spinner konzentriert bis vor die Füße einholen. Oft greift der Hecht dann an, wenn man den Köder aus dem Wasser heben will. Habe ich den Spinner eingeholt, dann mache ich ein, zwei Schritte nach rechts und führe den nächsten Diagonalwurf aus. Auf diese Art „schneide“ ich immer weiter eine neue „Scheibe“ von meinem Fischwasser ab. Nicht umsonst sagt man in Holland: „Snoeken is zoeken“, Hechtangeln bedeutet suchen. Das diagonale Einwerfen hat auch den Vorteil, dass man beim Einholen mehr Zeit und Raum hat, um die Lauftiefe mit der Rutenspitze zu korrigieren. Anfänger im Kunstköderangeln denken, dass vor allem weite Würfe wichtig sind. Verkehrt gedacht! Kurze, genau platzierte Würfe versprechen mehr Ausbeute und weniger Ärger durch Hänger oder ähnliches.

Wichtig ist auch, dass man so gerade wie möglich wirft, also keinen großen Schnurbogen in der Luft erzeugt. Denn dadurch sinkt der Spinner, bevor man die Schnur straffen konnte, schon zum Grund des flachen Polders und verfängt sich. Will ich den Spinner sehr flach führen, mehr oder weniger an der Oberfläche, beginne ich schon mit dem Einkurbeln, wenn der Köder noch in der Luft ist. Trifft er dann auf dem Wasser auf, ist er bereits in einer Vorwärtsbewegung. Diese Technik kann vor allem an stark verkrauteten Gräben sehr effektiv sein. In der gleichen Situation kann auch ein Spinnerbait der perfekte Köder sein.

Ist das Wasser trübe – dieser Zustand kommt vor allem in Kleipoldern mit Lehmgrund nach einem Sturm oder viel Regen vor – dann setze ich sehr gerne einen unbeschwerten Tandem-Spinner mit zwei Blättern ein. Am liebsten in der Größe 5, dieser Köder sorgt für besonders viel Vibrationen unter Wasser.

Die richtige Gewässerwahl

Dieser Meterhecht biss an einer Kreuzung vor einem Düker. Bild: Jan Eggers

Im Umkreis von 15 Kilometern um meinen Wohnort Bovenkarspel kann ich aus nicht weniger als 800 Kilometern Gräben und Kanälen mit gutem Hechtbestand auswählen. Wie finde ich aber das beste Gewässer, an dem ich im September mit guten Erfolgschancen beginnen kann? Wichtig sind natürlich die praktischen Erfahrungen aus dem vergangenen Jahrzehnt, aber davon habe ich als frischgebackener Gastangler natürlich wenig.

Mein erster Tipp: Beim örtlichen Angelverein nach Informationen fragen. Gute Anlaufstellen sind auch Angelgeschäfte, Hotels, in denen oft Angler wohnen, und Vermieter von Angelbooten. Auf jeden Fall sollte man sich eine gute Angelgewässer-Karte besorgen. Schon an den Hauptverkehrsstraßen liegen viele schrecklich gute Stellen, die wenig befischt werden, weil die meisten Angler die vorbeisausenden Autos störend finden. Je weniger anziehend ein Gewässer für Hechtangler ist, umso anziehender kann es für Hechte sein. Ich habe felsenfestes Vertrauen in folgenden Spruch: „Hechte gedeihen, wenn sie vernachlässigt werden.“

Im September finden wir die Hechte oft in der krautreichen Uferzone, sie warten in dieser Deckung auf Futterfische, die vorbeischwimmen. Stellen, an denen sich viele Jungfische oder auch Barsche tummeln, wirken wie ein Hechtmagnet. So entstehen oft die berühmten Hotspots. Gute Stellen sind die Kreuzungen von Gräben, der Bereich von Brücken und Dükern (Wassergraben, der unter einem Verkehrsweg hindurchgeleitet wird), aber auch Stellen, an denen jeden Tag die Enten gefüttert werden. So werden Futterfische und damit auch die Räuber angelockt. Immer sollte man auch auf jagende Raubfische und springende Kleinfische achten. Auf so einer Stelle mache ich immer ein paar Extra-Würfe.

Zum Schluss noch ein besonderer Tipp, es handelt sich um eine nicht ganz alltägliche Hechtstelle: Am Rand von vielen Dörfer und Städten werden oft neue Gewerbegebiete angelegt. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass in diesen Bereichen auch für eine neue Entwässerung gesorgt werden muss. Deshalb werden dort viele neue Gräben angelegt und Weiher gegraben, die mit dem gesamten Poldersystem in Verbindung stehen.

Drillen, landen, abhaken und zurücksetzen

Sollte der Angler immer im Gepäck haben: Lösezange, Seitenschneider, Maßband, Hängerlöser. Bild: Jan Eggers

Wenn dann der Moment gekommen ist, und ein Polderhecht hat den Spinner zwischen seine Kiefer genommen, kann der Drill beginnen. Probiere, den gehakten Hecht möglichst im offenen Wasser auszudrillen. Also den Fisch nicht zu schnell ans Ufer herandrillen, denn dort kann er sich in Pflanzen und Wurzeln verfangen.

Viele Gastangler haben einen Landungskescher dabei. Ich habe da nichts dagegen, wenn man ihn auf die richtige Art einsetzt und die geht so: Das Netz unter Wasser halten, den ausgedrillten Hecht hinüber führen und dann den Kescher schnell aus dem Wasser ziehen. Ich selbst habe nie einen Kescher dabei, ich lande meine Fische mit der Handlandung. Tipp: Stiefel anziehen, dann kommt man bei der Landung näher an den Hecht. Eine gute Hakenlöse- und Kneifzange ist ein Muss. Ich hänge sie mir mit einer Schnur um den Hals. Zum Abhaken legt man den Hecht in nasses Gras oder löst den Haken sogar direkt im Wasser. Nach dem Vermessen und einem schnellen Foto muss der Hecht nach den Regeln in den Niederlanden wieder zurückgesetzt werden. Das war genug über die Polder im September. Das nächste Kapitel wird sich mit der Angelei mit Wobblern und Gummifischen im Oktober/November befassen.

Jan Eggers

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