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April, April

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Anglerlatein oder echter Tarpon aus den Florida Flats? 1924 war es duirchaus üblich, den besten Anzug anzulegen und dann mit dem schon etwas vertrockneten Fisch zum Fotografen ins Studio zu gehen. Bild: M. Bötefür

Den meisten von uns ist es heute schon passiert: wir sind in den April geschickt worden. Aber eigentlich ist dies unter Anglern ein Dauerzustand, denn (fast) alle können nur schwer bei der Wahrheit bleiben.

Der 1. April ist traditionell der Tag, an dem man seine Mitmenschen mit hanebüchenen Geschichten veräppelt und sie so in den vierten Monat schickt. Für eingefleischte Angellateiner ist das Datum allerdings nichts besonders, denn sie flunkern und fantasieren über ihre gemachten und nicht gemachten Fänge von Januar bis Dezember. Bereits im 16. Jahrhundert wusste der von Amtswegen eigentlich zur Wahrheit verpflichtete katholische Geistliche Olaus Magnus über den Fischreichtum der Seen Skandinaviens geradezu Sagenhaftes zu berichten: „Darinnen leben nicht nur viele andere Fischarten, sondern auch Hechte in so großer Menge, daß man sie einsalzt, in der Sonne trocknet und wie Holzscheite gestapelt auf Schiffen bis nach Deutschland fährt.“ Wem diese Hechtmengen nicht ausreichten, der konnte sich über das Petri Heil antiker Angler wundern, denn diese fingen, will man den Schilderungen antiker Autoren Glauben schenken, dermaßen große Waller, dass sie mittels Ochsengespannen ausgedrillt werden mussten.

Meerjungfrauen und Bischofsfische

Massen- und Riesenfänge sind aber nur etwas für Petrijünger, die sich mit einem kleinen Anglerlatinum zufriedengeben; wer ein großes anstrebt, dem sei ein tieferes Studium alter Fisch- und Angelbuchklassiker empfohlen. Eine wahre Fundgrube für alles Anglerlateinische ist die mehrbändige „Historia animalium“ des Züricher Arztes und Gelehrten Conrad Gesner, welche im Jahre 1558 zunächst in lateinischer Sprache und noch im selben Jahr auch auf deutsch erschien. Gesner wusste nicht nur über Waller, Hechte, Forellen und andere Süßwasserfische Wundersames zu berichten, sondern kannte sich auch mit den Geschöpfen der Weltmeere bestens aus. Ohne jemals seinen Fuß auf einen Stand gesetzt zu haben, wusste er: „Daß in der Tiefe des grossen Meers wunderbare Gestalten gesehen werden, zeigt die tägliche Erfahrung unter welchen auch solche gesehen werden, so man Meerfräulein nennet. Welche sich oben einer Frau vergleichen sollen, unten aber einem Fisch, allenthalben raue und behaaret sind.“ Damit aber nicht genug, denn wo es weibliche Mensch-Fischwesen gab, konnten auch männliche nicht fern sein. Diese wurden sogar zur Beute der Fischer: „Im Jahre 1521 soll ein solcher Fisch in solcher Gestalt und allem Habit einem Bischoff ähnlich an den Ufern des Meeres nächst bei Polen gefangen seyn.“

Modernes Anglermärchen

Man muss aber nicht in alten Büchern nach wundersamen Erzählungen suchen. Auch die neuere Literatur ist voll von imposanten Storys über Angelerlebnisse, wie beispielsweise die folgende aus dem Buch „Vom großen Strom zum kleinen Bach“ von Bruno Wigam aus dem Jahre 1967: „Bei einem Preisangeln, an dem Hunderte von Anglern teilnahmen, angelten nur wenige mit der Spinnrute. Unter anderem auch der Vorsitzende unseres Vereins, ein prachtvoller Charakter, der fast Sonntag für Sonntag mit der Spinnangel an der Elbe zubrachte. Trotzdem hatte ich mehr Erfolg als er. Ich erbeutete zwölf Hechte und errang damit den sechsten Preis.“ – Gar nicht auszudenken, wie viele Hechte der Sieger hatte nach Hause tragen müssen.

Doch zurück zum heutigen Tag: In Frankreich ist der 1. April auch für Nichtangler eng mit Fischen verbunden. Hier klebt man seinen Mitmenschen nämlich zum Spaß einen Papierfisch („Poisson d’avril“) auf den Rücken oder verschenkt Schoko-Fische. Auf Post- und Grußkarten zum 1. April ist bei unseren Nachbarn immer ein Fisch zu sehen. Ob dies die französischen Petrijünger aber für den Rest des Jahres ehrlicher als uns macht, darf bezweifelt werden.

Dr. Markus Bötefür

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