70 Jahre IKSR

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IKSR

Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) feiert im Juli 2020 ihr 70-jähriges Bestehen.

Sie ist eine der erfolgreichsten internationalen Flussgebietskommissionen. Das zeigt unter anderem die Bilanz des Programms „Rhein 2020“. Mit dem auf der Rheinministerkonferenz im Februar 2020 in Amsterdam beschlossenen Programm „Rhein 2040“ stellt sich die IKSR den künftigen Herausforderungen. Die Staaten im Rheineinzugsgebiet ergreifen nun erste Schritte zur Umsetzung dieses Programms.

Plenarsitzung erstmals per Videokonferenz

Am 3. Juli wurde die Plenarsitzung der IKSR abgehalten, die ursprünglich in Straßburg stattfinden sollte. IKSR-Präsidentin Veronica Manfredi und Olivier Thibault, Wasserdirektor des Gastlandes Frankreich, begrüßten die ca. 50 Teilnehmer im dreisprachigen Videokonferenzraum.

Staaten setzen auf gesunde und widerstandsfähige Gewässer

70 Jahre nach der Gründung der IKSR am 11. Juli 1950 sind Umwelt- und Naturschutz aktueller denn je. Dazu erklärt Veronica Manfredi: „Ein ganzheitlicher Ansatz ist in der heutigen Zeit unabdingbar. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zur Situation vor 70 Jahren. Natürliche Lebensräume mit intakten Funktionen verfügen nicht nur über eine hohe Artenvielfalt. Sie sind auch widerstandsfähiger gegenüber negativen Einflüssen wie dem Klimawandel, wirken positiv auf die menschliche Gesundheit und leisten so einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft.“

Nicht von ungefähr stellt die Europäische Union im Zuge des „European Green Deal“ und der neuen Biodiversitäts-Strategie erhebliche Finanzmittel bereit, die unter anderem der Wiederherstellung und Bewirtschaftung frei fließender Gewässer und Auenlebensräume zugutekommen werden.

Das von der 16. Rheinministerkonferenz am 13. Februar 2020 in Amsterdam beschlossene Programm „Rhein 2040“ mit konkreten Zielen u. a. zur Wiederherstellung von Flussauen, zur Verbesserung der Fischdurchgängigkeit und zur Reduzierung von Mikroverunreinigungen in den Gewässern steht ganz im Einklang mit den Ansätzen der EU und kommt daher zum richtigen Zeitpunkt.

Erste Schritte zur Umsetzung von „Rhein 2040“

In den Staaten im Rheineinzugsgebiet und in der IKSR werden nun die ersten Schritte ergriffen, um die Umsetzung von „Rhein 2040“ in die Wege zu leiten. So ist beispielsweise eines der wegweisenden Ziele des Programms, die Einträge von Mikroverunreinigungen in Form von Arzneimitteln, Röntgenkontrastmitteln und Pflanzenschutzmitteln in den Rhein und seine Nebenflüsse bis 2040 um mindestens 30 % zu reduzieren. Zur Überprüfung der Eintragsreduzierung hat die Rheinministerkonferenz die IKSR damit beauftragt, bis 2021 ein gemeinsames Bewertungssystem zu entwickeln. Die hierzu neu eingerichtete Expertengruppe hat im Juni 2020 ihre Arbeit aufgenommen.

Ein weiteres wichtiges Ziel, welches schon lange verfolgt wird, betrifft die Fischdurchgängigkeit entlang des Rheins sowie in dessen Zuflüssen. Nach bereits erfolgten erheblichen Investitionen, durch welche die Migration der Fische auf hunderten von Rheinkilometern wieder ermöglicht wird, arbeiten die Staaten im Rheineinzugsgebiet nun gemeinsam weiter daran, die letzten verbliebenen Wanderhindernisse für Fische zeitnah durchgängig zu gestalten.

In einer Expertengruppe wird derzeit innovativ mittels Satellitenbildauswertung die Entwicklung der Biotope entlang des Rheins ausgewertet. In den vergangenen 20 Jahren wurden ca. 140 km2 verloren gegangene Überschwemmungsgebiete wiederhergestellt; bis 2040 sollen weitere 200 km2 reaktiviert werden.

In den nächsten 20 Jahren soll das Hochwasserrisiko am Rhein trotz Bevölkerungswachstum und der damit verbundenen Siedlungsentwicklung um weitere 15 % gesenkt werden. Die IKSR stellt den Staaten für die Risikobewertung das auf das gesamte Flussgebiet anwendbare Instrument „FloRiAn“ Instrument zur Verfügung.

Hintergrundinformation zur IKSR

In der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) arbeiten seit 70 Jahren die Schweiz, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Luxemburg und die Europäische Union auf der Basis eines völkerrechtlichen Übereinkommens zusammen, um die vielfältigen Nutzungen und den Schutz des Gewässers in Einklang zu bringen. Für die Umsetzung europäischer Richtlinien wurde die grenzüberschreitende Kooperation auf die Staaten Österreich, Liechtenstein, Italien und die belgische Region Wallonien ausgeweitet. Aktuelle Präsidentin ist Veronica Manfredi von der Europäischen Kommission. Ihr und den Gremien der IKSR steht ein international besetztes Sekretariat mit Sitz in Koblenz zur Seite.

-pm-

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