Zielfisch Rotauge: So fangen die Profis

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Rotauge

 

Experten verraten, wo und wie sie verschiedene Friedfische beangeln. Hier im Fokus: die Plötze. Von Markus Heine

Thomas Kalweit

Thomas Kalweit ist bekennender Allroundangler. Möglichst einfach zu angeln, lautet seine Devise. Das Foto zeigt ihn mit seinem größten Rotauge. Ein Fisch aus dem Rhein von 1.220 Gramm.

Gewässer, Standplätze, Fangzeiten

Lieblingsgewässer: Kleinere Flüsse in der Barbenregion, zum Beispiel Lahn, Sieg oder Lippe. Nur dort gibt es die „kofferförmigen“ Flussrotaugen.

Standplätze: Im See stehen die Rotaugen im Grunde überall, im Sommer gerne auch im Mittelwasser. Auf eine absinkende Weißbrotflocke konnte ich bei sechs Metern Wassertiefe in einem Baggersee meine schönsten Fänge machen.

Im Fluss sammeln sich die Rotaugen vor der Laichzeit im Bereich der Wehre und stehen dort dicht geballt. Im Hochsommer halten sie sich auch gerne in stärkster Strömung auf.

Angeltiefe: Je nach Jahreszeit stark unterschiedlich.

Beste Jahreszeit: Für die kapitalen Fische klassischerweise der Herbst und Winter.

Beste Angelzeit: Wenn die Rotaugen aktiv sind, dann beißen sie meiner Erfahrung nach den ganzen Tag über.

Futter und Köder

Futter: Auf Rotaugen muss man anfüttern. Gute Zusätze zu den üblichen Futtermischungen sind gequollener und dann gekochter Hanf – das Kochwasser nicht wegschütten, sondern zum Anmischen verwenden! Außerdem nehme ich gerne geröstetes Hanfmehl, lebende Maden und Taubenmist mit seinem typischen Ammoniak-Geruch.

Duftstoffe: In sauberen, wenig befischten Gewässern setze ich auf den Eigengeruch der Futterbestandteile. Ansonsten funktionieren im Winter Knoblauch- oder Currypulver sehr gut. Ebenfalls super: Instant-Brühepulver oder Maggi-Würze. Im Sommer habe ich gute Erfahrungen mit Getränkepulver im Mandarinen- und Orangen-Geschmack plus viel Kochsalz gemacht. Rotaugen stehen aber immer noch auf die klassischen Gewürznoten: Anis, Koriander, Fenchel, Kreuzkümmel, Tonkabohne.

Beste Köder: Maden, Hanf, Mais.

Caster und Maden gehören zwar zu den Köder-Klassikern auf Rotaugen, sie fangen aber weiterhin hervorragend.

Spezielle Köder für große Rotaugen: Brotflocke. Im Winter fleischig: Tauwurm.

Treibender oder fest verankerter Köder? Mit dem Futterkorb angle ich statisch am Grund. Es macht aber auch Spaß, mit der Matchrute und der langsam abtreibenden Stick-Pose auf Rotaugen zu fischen. Ist aber auf größere Exemplare nicht effektiv.

Methode und Gerät

Lieblingsmethode: Feederrute plus Futterkörbchen.

Entsprechendes Gerät: Drennan Medium Feeder 11 Fuß 6 inch (zirka 3,45 Meter), Shimano Baitrunner 3500, 0,20er Hauptschnur, 0,14er Vorfach (Stroft Monofil), Haken: Kamasan Whisker Barb B520 #14.

Spezielle Methode für große Rotaugen? Langweilig, aber effektiv: die Sofortanschlag-Montage zum Karpfenangeln, ein 16er Boilie am Haar. Und dann abwarten …

Persönliches

Wie groß war Dein größtes Rotauge? 1.220 Gramm, gefangen im Rhein. Einer meiner Lieblingsfische und jetzt Hintergrundbild auf meinem Handy.

Wann angelst Du am liebsten auf Rotaugen? Im goldenen Herbst, wenn sie richtig gallig sind und sich den Winterspeck anfressen.

Leckere Maden im geschlossenen Futterkorb lockten dieses kapitale Rotauge an.

Was fasziniert Dich am Rotaugenangeln? Es gibt keinen anspruchsvolleren und kampfstärkeren Fisch an feinem Gerät. Ein richtiges Kilo-Rotauge ist der Fisch des Lebens! Ich staune immer über die Kämpfernaturen, wenn sie wütend an der Rute zerren.

Bernd Steffen

Bernd Steffen ist Mitgründer der Specimen Hunting Group Dortmund (SHG). Seit Jahren hat er sich den kapitalen Friedfischen verschrieben. Hier freut er sich über ein kapitales Rotauge.

Gewässer, Standplätze, Fangzeiten

Lieblingsgewässer: Ein mittlerer Fluss mit nicht allzu starker Strömung und einem annähernd natürlichen Verlauf, an dem sowohl auf Grund als auch mit der Pose geangelt werden kann. Gerne fischen wir beispielsweise an der Ruhr oder Lippe.

Standplätze: Im Winter lassen sich die Rotaugen im See relativ einfach an den tiefsten Stellen finden. Nach der Laichzeit verteilen sich die Fische dann übers ganze Gewässer. Manchmal fängt man sie an Schilfkanten, das andere Mal an einer steil abfallenden Scharkante oder in einer dem Wind zugewandten Bucht.

In Flüssen muss man die Fische suchen. Hat man die Hot Spots aber einmal gefunden, wird man hier immer wieder Rotaugen fangen – unabhängig von der Jahreszeit. Gleiches gilt für Kanäle. Allerdings muss man auf der Suche nach den Stellen wirklich jede Veränderung des Bodens oder der Uferstruktur berücksichtigen. Wer diese Unregelmäßigkeiten durch genaues Ausloten findet, der fängt!

Unsere beiden Experten sind sich einig: Am liebsten angeln sie an kleineren und mittelgroßen Flüssen auf Rotaugen.

Angeltiefe: Hier muss man auf alles gefasst sein. Wer nur auf dem Grund angelt, wird an manchen Tagen leer ausgehen. Rotaugen sind Fische des Mittelwassers. Experimente, in welcher Tiefe die Fische beißen, gehören daher zum Grundprogramm des Anglers.

Beste Jahreszeit: Eindeutig der Herbst.

Beste Angelzeit: Ganz klar etwa eine Stunde vor der Dämmerung bis zirka zwei Stunden nach Einbruch der Dunkelheit. Wir haben festgestellt, dass sich diese Zeiten bei Gewässern mit starkem Kormoranbefall bis weit in die Nacht ausdehnen können.

Futter und Köder

Futter: Ohne gezieltes Anfüttern gibt es kein erfolgreiches Rotaugenangeln. Auch tagelanges Vorfüttern auf Großrotaugen ist bei der richtigen und angemessenen Dosierung sehr erfolgreich. Wir vertrauen einer Mischung aus feinem braunem und hellem Paniermehl, gemahlenen Forellenpellets und zwei Händen zerquetschten Castern. Gerne füttern wir auch lediglich mit Maden, Castern und eingeweichtem Weißbrot an.

Duftstoffe: Wir gehen sehr vorsichtig mit diesem Thema um. Zu starke Dosierungen können eher schaden als nutzen. Gute Erfahrungen haben wir mit der Kombination Maden und Kurkumapulver, Maden und Currypulver oder auch Maden und dem Lockstoff „Roach“ der Firma „Van den Eynde“ gemacht.

Beste Köder: Weißbrotflocke, Maden, Pinkies, Caster, Hanf.

Spezielle Köder für große Rotaugen: Tauwurm, Caster, aber insbesondere ausbalancierte Köder wie ein Caster plus zwei Maden oder eine schwimmende Kunststoffmade in Kombination mit zwei echten Maden.

Treibender oder fest verankerter Köder? Beides fängt. Auch hier gilt: Angle flexibel, und du fängst deine Rotaugen.

So ein gutes Rotauge wie dieses mit dem feinen Posengerät zu überlisten, ist die reinste Freude.

Methode und Gerät

Lieblingsmethode: Das Fischen mit der leichten Quiverrute.

Entsprechendes Gerät: Meine Toprute für dieses Angeln ist die Peter Stone Quivertip der Firma Modern Arms Ltd. – sie ist 10 Fuß (3,05 Meter) lang, besitzt einen eingespleißten Quivertip und hat eine Testkurve von zirka 0,3 Kilo. Dazu verwende ich eine Mitchell 308, eine sehr leichte Rolle mit entsprechend fein dosierbarer Bremse. Als Schnur nehme ich schon seit Jahren die monofile Maxima in den Stärken 0,12 und 0,15 sowie 0,17 Millimetern.

Spezielle Methode für große Rotaugen? Mit allen Methoden lassen sich große Rotaugen fangen.

Persönliches

Wie groß war Dein größtes Rotauge? Diesem Fisch fehlten 20 Gramm an der Drei-Pfund-Marke.

Wann angelst Du am liebsten auf Rotaugen? Für mich ist der Herbst eine gute Zeit, um große Rotaugen zu fangen. Die Bedingungen interessieren uns wenig, was zählt, ist der Erfolg.

Was fasziniert Dich am Rotaugenangeln? Die Feinheit des Geräts, die Schönheit der Fische, besonders in den Wintermonaten, sowie stete Erfolge, wenn andere Leute aufgrund schlechter Wetterbedingungen zu Hause hinterm Ofen sitzen bleiben.

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