Zielfisch Rotauge: Pellets für Plötzen

2001


Zielfisch Rotauge: Pellets für Plötzen
Einfach stippen: Friedfische kann man auch ohne Materialschlacht fangen.

Dutzende Eimer, riesige Siebe, zentnerweise Futter – so mancher Stipper braucht für seine Ausrüstung einen Kleinbus. Dass auch mit wenig Aufwand große Fänge gelingen, beweist der ehemalige Vize-Europameister Thomas Engert. Von Henning Stühring

Zurück zu den Wurzeln, herrlich!“ Wie ein kleines Kind freut sich Thomas über das nächste prächtige Rotauge, das den Weg ins Keschernetz findet. Und wir, mein Kollege Dustin und ich, freuen uns mit. Denn Thomas hatte nicht zu viel versprochen, als er uns letzte Woche seinen Plan für heute erzählte. Thomas sagte: „Stippen geht auch einfach, mit einem Minimum an Material. Ich werde Euch zeigen, wie man am Eicher See große Rotaugen fängt, und zwar mit Pellets.“

Die nahrhaften Körner verwendet Thomas allerdings nicht als Hakenköder, sondern als Anfutter. Der Experte sagt: „Pellets liegen voll im Trend. Sie sind optimal geeignet, um im Stillwasser Fische anzulocken. Für Rotaugen füttere ich zu Angelbeginn zwei bis drei Hände voll Sensas 3000 Pellets Gardons an – das genügt!“ Dabei handelt es sich um ein Fertigfutter, das speziell für den Plötzenfang entwickelt wurde. Thomas sagt über das Erfolgsgeheimnis: „Rotaugen mögen kein Fischmehl. Stattdessen basiert die Sensas-Mischung auf Zutaten wie Hanf, PV 1, Kokosmehl und Brot. Rotaugen lieben das.“ Und nicht nur die – zwischendurch kaut auch Kameramann Dustin die Leckerbissen aus Frankreich…

 

Neuer Trend fürs Stillwasser: Anfüttern mit Pellets. Zwei bis drei Hand voll genügen.

 

Als Angelplatz am Eicher See bei Worms dient ein Bootssteg. Eine Rutenlänge davor, am Verlauf einer Kante, werden die Pellets, versetzt mit ein paar Maden, eingeworfen. Über seine Strategie sagt Thomas: „Gründliches Ausloten des Angelplatzes ist sehr wichtig. Man muss ganz genau wissen, wie es da unten aussieht. Hier ist es jetzt sechs Meter tief.“ Am Spitzenteil der vormontierten 8-Meter-Kopfrute ist ein Gummizug befestigt. Thomas sagt: „Mit dem elastischen Band gehe ich auf Nummer sicher, um auch starke Großfische sicher müde zu drillen.“

 

Biss verwandeln statt Kopf zerbrechen

Als Hakenköder stehen Maden, Pinkies, Caster und Mais zur Verfügung. Thomas entscheidet sich zunächst für die Maden. Drei Stück spießt er auf den Haken. Erst wenn darauf nichts beißen sollte, wird variiert. „Dann versuche ich es mit einem Maiskorn“, sagt Thomas.

Aber erst einmal muss der Experte sich darüber keinen Kopf zerbrechen, sondern einen Biss verwandeln. „Na, bitte, ein Rotauge!“, ruft uns Thomas beim Keschern der Beute zu. Allerdings lässt die Länge noch zu wünschen übrig. Aber die kann sich auch ein Meister-Stipper zum Glück noch nicht aussuchen. Kurze Zeit später geht die stiftförmige Stillwasserpose erneut auf Tauchstation. Doch diesmal setzt größere Gegenwehr ein. „Zum Glück habe ich den Gummizug montiert“, ruft Thomas, „der puffert jetzt die Fluchten sicher ab. Ich tippe auf einen Brassen.“ So ist es, ein mächtiger „Deckel“ zeigt sich nach kurzer, aber heftiger Gegenwehr an der Oberfläche. Zwar freut sich auch Thomas über diesen Beifang, aber zum Brassenangeln sind wir ja nicht gekommen, zumal noch ein weiterer der großen Schleimer folgt. Kein Wunder, dass sich da unsere eigentlichen Zielfische, die großen Rotaugen, ziemlich rar machen.

Statt Rotaugen gehen heute zunächst Brassen an den Haken.

 

Für Plötzen statt Brassen: Hängt sie höher

 

Aber nun spielt Thomas seine ganze Routine aus. Es zeigt sich einmal mehr, dass Flexibilität, Gespür und Erfahrung den Unterschied ausmachen. Thomas sagt: „Zwar beißen auch immer wieder vereinzelt richtig große Rotaugen zwischen den Brassen. Aber wenn die Klodeckel erst einmal den Futterplatz eingenommen haben, ist es oft besser, den Köder nicht am Grund, sondern ein Stück darüber anzubieten.“ Um Plötzen statt Brassen zu fangen, schiebt Thomas den Schwimmer also zirka 20 Zentimeter nach unten. Zwischendurch füttert er zwei Hände Pellets nach.

Es dauert auch gar nicht lange bis zum nächsten Biss. Wieder leistet der Gummizug seine Dienste beim Drillen. Thomas deutet das quirlige Kampfverhalten und ruft: „Ja, das muss ein starkes Rotauge sein!“ Richtig getippt, ein gutes Pfund „Silber“ blinkt in den Keschermaschen. Aber damit nicht genug: Ein Schwarm Großplötzen muss am Futterplatz sein – das zeigt schon der nächste Drill. „Die ist noch größer, könnte sogar ein Kilo haben!“, ruft Thomas beim Drillen.

 

„Das ist jetzt aber eine große Plötze!“, ruft der drillende Thomas. Gut, dass er den Gummizug montiert hat, um die Fluchten abzupuffern.

 

Zwar sollte es dazu nicht ganz reichen, aber mit gut 800 Gramm ist das Rotauge ganz sicher ein prächtiger Fang, der nicht jeden Tag und auch mit mehr Aufwand eher selten gelingt. Wir sind jedenfalls mehr als zufrieden, zumal das Abbauen genauso wenig Zeit in Anspruch nimmt wie das Aufbauen: nämlich bescheidene fünf Minuten, inklusive Verstauen des Angelgeschirrs im Auto. Da sage noch einer, das Stippen sei eine reine Materialschlacht!

Petri Heil, so einen Silberbarren landet man nicht jeden Tag! Gute 800 Gramm wiegt das herrliche Rotauge.

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