Zielfisch Heilbutt: Der Butt-Weiser

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Zielfisch Heilbutt: Der Butt-Weiser

Alles über Standorte und die besten Reviere. Von Volker Dapoz

Was bei Dorsch- oder Seelachs mitunter halbwegs funktionieren mag, klappt beim Heilbutt definitiv nicht: einfach rausfahren, den Köder an einer x-beliebigen Stelle ablassen und fangen. Schon die grobe Auswahl der Region hat auf den Erfolg entscheidenden Einfluss. So ist in Süd- und Fjordnorwegen beispielsweise zwar durchaus die Chance auf einen Platten gegeben, wirklich interessant wird es jedoch erst im oberen Mittel- und vor allem in Nordnorwegen, aber auch im Nordwesten Islands (siehe Revierübersicht).

Die interessanten Strukturen vor Ort zu finden, ist in jedem Fall das A und O. Ein allgemeingültiges Kuriosum dabei: Einige der besten Fangplätze für den König des Nordmeers beherbergen kaum andere Fischarten! Diese Spots werden daher zumeist mit vergleichsweise geringer Intensität beangelt, weil man dort logischerweise deutlich weniger Bisse bekommt als an klassischen Räuber-Hochburgen und entsprechend geduldig sein muss. Doch diese Ausdauer haben viele einfach nicht.

In den letzten Jahren kristallisierten sich bestimmte Untergrundstrukturen heraus, die Erfolg versprechender sind als andere.

Volker Dapoz mit 54 Kilo schwerer „Tischplatte“, gefangen im nordnorwegischen Kasfjord.

Sandige Strömungsrinnen

Meiner Meinung nach rangieren an vorderster Stelle sandige Strömungsrinnen. Solche Strukturen sind vielerorts anzutreffen, etwa zwischen Schären oder flacheren Unterwasserplateaus. Entscheidende Hinweise dazu findet man oft nur auf den Seekarten, in denen die Felsen als kleine Kreuze gekennzeichnet sind.

Schwieriger wird es schon, die Sandflächen in der Nähe auszukundschaften. Dazu sind nämlich in den Karten kaum Angaben zu finden. Im besten Fall ist ein „S“ für Sand vermerkt, doch oft müssen die „verdächtigen“ Zonen durch Ausprobieren getestet werden. Letzteres ist aber ohnehin erforderlich, wenn man etwas über die Strömungsverhältnisse herausbekommen möchte. In diesem Zusammenhang muss auch die Tide berücksichtigt werden. Eine vermeintlich ruhige Sandrinne kann sich bei auf- oder ablaufendem Wasser durchaus als stark durchströmt herausstellen. Ganz wichtig sind dabei die Mondphasen. Bei Voll- oder Neumond beispielsweise fallen die Gezeitenunterschiede viel höher aus als in den Zwischenmondphasen. Erstere Situation ist also immer zu bevorzugen.

Rinne

 

Abb. 1: Der Seekartenausschnitt zeigt Sandrinnen mit recht gleichbleibenden Tiefen. Diese liegen zwischen felsigen Bereichen, die durch schwarze Kreuze gekennzeichnet sind.

Flach abfallende Hänge

Weitere Erfolg versprechende Strukturen sind flach abfallende Hänge neben felsigen Fang-Plateaus (siehe Abbildung 2). Diese sollten ebenfalls sandig sein, mindestens aber sandige Bereiche aufweisen. Einige Quadratmeter können schon als Standplatz für einen Heilbutt ausreichen. Das Aufspüren solcher Plätze ist selbst mithilfe von Seekarten nicht leicht. Oftmals müssen die Ränder der Plateaus regelrecht abgeklopft werden, um auf die Art des Untergrunds schließen zu können. Wer unsicher ist, sollte einfach einen schnell sinkenden Pilker ohne Drilling an geflochtener Schnur zum Grund hinablassen. Damit spürt man sehr schön, ob es sich um harten, sandigen oder weichen (lehmigen) Untergrund handelt.

Viele Angler konzentrieren sich in erster Linie auf die Bereiche rund um die Felsspitzen. Dort sind ja auch zahlreiche Futterfische wie Seelachse und Räuber wie Dorsche anzutreffen. Ist das Boot über das Plateau hinweg gedriftet, verringert sich die Bissfrequenz entsprechend. Jetzt passiert meist der große Fehler: Die Angler fahren zum ergiebigeren Zentralplateau zurück und vergeben damit die Chance auf den wirklich kapitalen Fisch. Denn die Heilbutts stehen in der Regel etwas abseits, und zwar am flach abfallenden Hang.

Flach abfallender Hang

Abb. 2: Im Übergangsbereich vom Tief- zum Flachwasser kann es immer sandige Bereiche geben. Darauf deuten in diesem Fall wiederum die relativ konstanten Tiefen und die nur wenig vorhandenen Kreuze hin.

Plateaus

Eine weitere, aber nicht so häufig anzutreffende Untergrundstruktur sind Mehrfacherhebungen. Das sind Plateaus mit zwei oder mehr Felsspitzen am Rand und sandigen Tälern in der Mitte. Abbildung 3 zeigt ein solches Plateau, das von tieferem Wasser umgeben ist und auf 16 Meter ansteigt. Die kleinen Kreuze symbolisieren so genannte Peaks. Dabei handelt es sich um Erhebungen, die aus Felsen bestehen, sonst würden sie nicht so steil nach oben weisen. Zwischen diesen Peaks liegen sandige Senken, die ganz bestimmt einen Versuch wert sind. Direkt an den Felsen stehen oft Futterfische. Die Heilbutts haben also immer kurze Wege zwischen Ruhe- und Fressgründen.

Plateau

Abb. 3: Hier ist ein typisches Plateau zu sehen. Die Kreuze symbolisieren so genannte Peaks, das sind felsige Erhebungen. Die Heilbutts stehen bevorzugt in den sandigen Senken dazwischen.

Strömung ist Trumpf

Ist der aussichtsreiche Platz schließlich gefunden, stellt sich die Frage: Wann soll man ihn am besten befischen? Als Faustregel gilt: Je mehr Bewegung im Wasser, desto besser. Denn der Butt mag es strömungsreich. Dies äußert sich nicht zuletzt in den Beißphasen. Selbst an guten Plätzen fressen die Flachmänner definitiv nicht immer. Manchmal jagen sie nur bei auflaufendem, manchmal bei ablaufendem Wasser und manchmal drei Tage hintereinander gar nicht. Ich habe es schon erlebt, dass Angler auf drei benachbarten Booten, die immerhin jeweils etwa 500 Meter voneinander entfernt waren, fast zeitgleich Heilbutts fingen. Im Anschluss daran tat sich gar nichts mehr – auf keinem Boot.

Topmonat Mai

Ganz allgemein kann sicher der Mai als der absolute Topmonat für die Heilbuttangelei bezeichnet werden. Anders als bei den Berufsfischern, die in erster Linie im Spätherbst und Frühwinter ihre großen Fänge machen, zugleich die Köder aber auch deutlich tiefer auslegen. Es mag durchaus sein, dass die anglerischen Erfolge in dieser Zeit weitaus besser ausfielen. Aber wer will schon bei den Winterstürmen des nördlichen Eismeers eine Fahrt in den hohen Norden riskieren?

Kapitaler Island-Butt von etwa zwei Metern Länge.

Ein wenig früher kann ein Angelversuch allerdings durchaus sehr lohnend sein. Dann nämlich, wenn zum Herbstanfang die Blätter fallen – das sagen auch die Berufsfischer einhellig -, sammeln sich die Heilbutts noch einmal im Küstenbereich und schlagen sich die Mägen richtig voll, bevor sie in der Tiefe überwintern. Ich habe diese These zwar noch nicht endgültig auf Herz und Nieren testen können, aber meine letzte Oktobertour nach Nordnorwegen war sehr viel versprechend und bescherte mir überdurchschnittlich gute Ergebnisse.

Neben dem jahreszeitlichen Aspekt gibt es natürlich viele andere wichtige Faktoren, die den Fangerfolg beeinflussen. Hier seien nur beispielhaft das Vorhandensein von Futterfisch (vor allem Hering!) und der Einfluss globaler Meeresströmungen genannt. Die Qualität eines Fangplatzes kann, davon abhängig, recht stark variieren. Das geht sicher über normale Beißflauten bei üblichen Wetterwechseln hinaus. Aber mit dieser Thematik könnte man vermutlich ganze Bände füllen.

Wo rauben die Butts?

 

Im Frühjahr und im Sommer ziehen die Heilbutts in flache Bereiche. Es ist jedoch fast unmöglich zu sagen, welche Vorlieben sie haben. So kann es durchaus vorkommen, dass Fische von über 100 Kilo in nur zehn Meter tiefem Wasser anzutreffen sind, während zur gleichen Jahreszeit kleine Exemplare in 100 Metern überlistet werden. Die Fangzonen der Berufsfischer reichen gar bis 2.000 Meter! Mein Tipp: Beim Angeln in Tiefen zwischen 25 und 60 Metern liegt man nicht verkehrt.

 

Es scheint, als ob die Heilbutts zu bestimmten Zeiten geeignete Nahrungszonen aufsuchen. Das können flache Sandbuchten sein, genau wie eine Senke zwischen zwei Plateaus in 150 Metern Tiefe. Auch die Laichplätze von Seehasen werden von den Platten liebend gern aufgesucht. Der Grund liegt auf der Hand, denn der Rogen der kugelförmigen Fische gilt nicht nur regional für den Menschen als Delikatesse. Auch die Heilbutts wissen die Eier, und nicht nur die, zu schätzen. Kein Wunder also, dass sowohl der bekannte 174-Kilo-Heilbutt von Island (Juni 2007) als auch der 194-Kilo-Kracher von VannØy (April 2008) Seehasen im Magen hatten.

 

Wo man auf Seehasen trifft, sind Heilbutts nicht weit. Denn die Platten haben sie zum Fressen gern.

 

Folgende Angelreiseveranstalter haben die genannten Ziele in Norwegen und/oder Island im Programm:

 

• Angelreisen Hamburg, Tel. 040/
7360570, E-Mail: team@angelrei
sen.de, Internet: www.angelreisen.de

 

• Andree’s Angelreisen,
Tel. 06127/8011, E-Mail: info@
andrees-angelreisen.de, Internet: www.andrees-angelreisen.de

 

• DIN TUR, Tel. 04221/6890586 oder 0351/8470593, E-Mail:
info@dintur.de, Internet:
www.dintur.de

 

• Kingfisher Reisen, Tel. 0261/
915540, E-Mail: info@kingfisher.de, Internet: www.kingfisher-
angelreisen.de

 

Genau wie die Revierübersicht erhebt auch die Liste der Reiseveranstalter keinen Anspruch
auf Vollständigkeit.

Abo Fisch&Fang