Wurstfinger und Monsterfische

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Wurstfinger und Monsterfische

12.02.2015 10:35 von Matze Koch

Wurstfinger und Monsterfische

Die riesigen Wurstfinger beweisen zweifelsfrei: Dieser Schniepel hätte gar nicht fotografiert werden dürfen!

 

„Auf dem Foto sind die Finger aber sehr groooß!“

 

 

..man, wie ich diesen Spruch hasse. Pauschalisierungen sind ein typisches Merkmal von sebsternannten „Fachleuten“ im Netz. Die verkrampfte Suche nach Fehlern ist zum Sport geworden, um dann umso lauter gröhlen zu können: „Faaake!“. Entstanden ist die Fehlerjagd durch Fotos, bei denen der Fisch armlang vor den Körper gehalten wird. Gut, ich gebe zu, man kann alles übertreiben und einen Fisch auch allzu sehr „dieteln“. Dem Namen des sehr geschätzten Kollegen Johannes Dietel ist dieser Begriff entsprungen, weil er die Fische oft weit vorhält.

 

Die Frage ist aber doch, warum macht ein Topjournalist wie Johannes das überhaupt? Ganz einfach, weil sein Hauptzielfisch der Barsch ist, der naturgemäß nicht so groß wird, dann muss man ihn schon deutlich vorhalten, damit er auf einem Foto gut in Szene gesetzt ist. Darum halte ich das auch nicht für ein Sakrileg Fische zu „dieteln“. Jedenfalls dann nicht, wenn es zweifelsfrei darum geht den Fisch in Szene zu setzen, und nicht krampfhaft zu versuchen aus einem 30cm Barsch einen 50er zu machen, was nur Dilettanten versuchen. Aber wer will schon ein gestochen scharfes Bild von den Pickeln und Falten der Fänger? Es geht doch allein um den Fisch oder sehe ich das falsch? Ein Präparat stellt man ja auch nicht unter das Sofa, sondern präsentiert es in Augenhöhe.

 

Hätte ich hier nur mehr gedietelt, dann würde der Barsch sicher monströs wirken!

 

 

 

Einige Beispiele sollten verdeutlichen, was ich meine. Rein journalistisch ist z.B. folgendes Bild angelegt. Monis Hände sind fuuuurchtbar groß, aber sie will hier sicher nicht angeben, was für einen monströsen Hecht sie gefangen hat, denn der Schniepel hat kaum 40cm. In Szene gesetzt werden soll also Hechtmaul und der überdimensionierte Köder, denn der Kleine voll genommen hat. Durch die Haltung rücken Köder und Hechtkopf in den Fokus des Betrachters. Dabei ist der Hecht so klein, dass Moni seinen Körper mit einer Hand fast umgreifen kann.

 

 

 

Erwischt! Moni beim strafbaren Versuch aus einem Schniepel einen Meterhecht zu machen!

 

 

 

Auf diesem Bild hier ist der 85er Hecht mit seiner schönen Zeichnung für mein Verständnis „normal“ in Szene gesetzt.

 

 

 

 

Aber es geht auch anders. Um die schönen Flossen noch mehr in den Mittelpunkt zu rücken, kann man den Fisch schräg vorhalten, was nicht sehr natürlich aussieht, aber sein Ziel verfolgt: Die tollen Flossen kommen voll zur Geltung und dahin geht auch Monis Blick.

 

 

„Flossen gedietelt! Buuuh!“

 

 

Auf diiesem Bild hier jedoch rückt der Fisch (der gleiche wie oben!) völlig in den Hintergrund, denn es geht um etwas anderes, nämlich um die neugierige Katze, die vom Hechtgeruch magisch angezogen wurde:

 

 

„Miau!“ Fisch und Katze gleichermaßen im Fokus des Betrachters

 

 

 

Noch einmal: Ich gebe gerne zu, manchmal werden Fische tatsächlich nur vorgehalten, um mit der Größe zu beeindrucken. Trotzdem sollte man überlegen ob man gleich losmeckert, denn schlechte Fotografen sind auch nicht die „Lösung“ eines Stemmfotos. Wenn Angler und Fisch irgendwo im Nirwana einer Wiese verschwinden nützt es niemandem.

 

Für das Gute „in Szene setzen“ eines Fanges, gibt es übrigensdiverse BLOGEINTRÄGE von mir, die schon ein wenig älter sin.

 

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