Poel ahoi!

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Luftaufnahme Poel
Der flache Küstensaum von Poel ist Kinderstube für zahlreiche Fischarten und nebenbei ideal für Schwimm-Anhänger.

Kleine Insel – große Vielfalt. So könnte man die Angelmöglichkeiten auf Poel beschreiben. Ob vom Ufer oder Boot aus: Die Chancen auf Meeresfische stehen gut.

02/2000

Von Christian Hoch

„Christian, mach den Kescher klar“, schallt es mir entgegen. Doch die Aufforderung lässt mich kalt, schließlich fischen wir mit dem Paternoster auf Hering. Kein Grund zur Panik, denke ich noch so bei mir, als mein Vater plötzlich energisch gestikuliert: „Jetzt komm endlich, das ist ’ne…- „Gibt’s doch gar nicht“, falle ich ihm überrascht ins Wort, als das Wasser nahe der Bordwand explodiert. Meerforelle! Nie zuvor hatte ich – damals noch ein Steppke – eine zu Gesicht bekommen. Die Kämpferin gibt Vollgas und noch bevor der Kescher ins Wasser taucht, verabschiedet sich der etwa achtpfündige Fisch.

Tatort dieses ungewöhnlichen, aber durchaus nicht einzigartigen Geschehens: die Ostsee vor der Insel Poel. Wie, Sie kennen nicht das 37 Quadratkilometer große Eiland an der mecklenburgischen Ostseeküste? Dann nichts wie hin! Das fischreiche Revier liegt in der Wismarbucht, nahe der gleichnamigen Kreisstadt. Typisch: der sehr flache Küstensaum rund um die Insel – ideal für Meerforellen. Besonders im Frühjahr, aber auch im Herbst haben Watangler mit Küstenblinkern und Wobblern beste Karten.

Silber-Torpedos voraus

Beispielsweise vor der Steilküste südlich von Timmendorf: Dort gehen die Salmoniden auf Raubzug, denn sie lieben den klassischen Leopardengrund. Auch über sandigem Terrain im Norden und Nordosten der Insel werden immer wieder Meerforellen erbeutet. Hornhecht satt heißt es jedes Jahr, wenn die Fighter mit den grünen Gräten invasionsartig in die Küstengewässer einfallen. Ob per Boot oder watend – man erwischt sie fast überall. Dabei sind sie nicht sehr wählerisch und nehmen den Blinker genauso wie den Heringshappen an der Posenrute.

Etwa zur selben Zeit – Anfang Mai – erwachen die Aale aus ihrem „Winterschlaf“. In den besonders flachen Bereichen wie etwa dem Breitling im Osten Poels erwärmt sich das Wasser sehr schnell, so dass die Schlängler dort zuerst aktiv werden. So richtig in Gang kommt die Aal-Angelei jedoch erst im Sommer. Dann legen die Krabbenfischer ihre Reusen aus und bringen den besten Köder überhaupt in den Hafen – frische Garnelen. Neben den Krebsartigen steht der Wattwurm ganz oben auf dem Speiseplan von Mister Schleicher. Im Durchschnitt bringt Anguilla ein knappes halbes Pfund auf die Waage. Bei gleicher Länge sind diese Aale jedoch dicker als ihre Verwandten in Binnengewässern und daher prima zum Räuchern geeignet. Richtig große Fänge – wie noch vor der Wende an der Tagesordnung – glücken allerdings nur selten.

Dafür sorgt ein anderer Fisch immer wieder für volle Kisten: der Dorsch. Beim Brandungsfischen gehen neben Platten eher die kleineren Exemplare an den Haken. Im Spätherbst, bei kälterem Wasser und auflandigen Winden, kommen jedoch auch die größeren Kaliber in Wurfweite. Der Badestrand vor Wangern oder der Schwarze Busch sind erfolgversprechende Plätze. Doch Vorsicht: Hängergefahr im Bereich der dichten Seegraswiesen, besonders im Westen der Insel (das gilt auch fürs Spinnfischen)!

Dorsch und Hering satt

Wahre „Dorsch-Feste“ feiert man regelmäßig auf den drei Poeler Kuttern: 20 bis 25 Fische pro Angler sind keine Seltenheit; die größten Meeresräuber können sogar die Zehn-Kilo-Marke erreichen. Kein Wunder, dass die „Fisch-Dampfer“ oft schon Wochen im voraus ausgebucht sind. Je nach Revier kommen Pilker zwischen 50 und 150 Gramm zum Einsatz. Vorgeschaltete Beifänger, aber auch Wattwürmer beim Driftangeln sind ebenfalls sehr fängig. Riesige Schwärme fetter Heringe (bis 300 Gramm schwer!) ziehen im Herbst in der Ostsee vor Poel ihre Kreise. Sie stürzen sich wie wild auf die Haken am Paternoster. Doch seien Sie gewarnt! Wenn sich plötzlich die Schnur wie eine Klaviersaite spannt – es könnte eine Meerforelle sein!

Foto: Kurverwaltung Poel

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