Jan Eggers erzählt, Teil 10

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So schöne Zander fängt Jan Eggers am Poldergraben direkt vor seinem Haus. Bilder: Jan Eggers

Der Hechtpapst Jan Eggers berichtet über sein langes Anglerleben zwischen Aal und Zander. Diesmal behandelt er ausführlich den Buchstaben „Z“.

Viele Angler wissen nicht, dass der Zander – sein lateinischer Name lautet übrigens Stizostedion lucioperca – ursprünglich nicht in den Niederlanden vorkam. Am Ende des 19. Jahrhunderts kam unser Freund “Snoekbaars”, auch “Sander” wurde er hier genannt, über den Rhein aus dem Flussgebiet der Donau in unser Land und ist in den Niederlanden heimisch geworden. Viele Nichtangler glauben, der Zander sei eine Kreuzung zwischen Hecht und Barsch, aber das stimmt nicht. Ich dachte in den ersten 15 bis 20 Jahren meines Anglerlebens, dass im Eilandspolder meines Geburtsdorfes keine Zander schwimmen. Warum ich so dachte? Ganz einfach, weil ich dort nie einen gefangen habe!

Die Berufsfischer besaßen damals die Fischrechte im Eilandspolder. Die Angelclubs erwarben dort ihre Angelscheine.
De Mieuwijdt, hier sind Jans erste Zander-Erinnerungen entstanden.

Die Berufsfischer fingen sie aber

Der örtliche Angelclub “De Hengelaar”, in dem ich seit 70 Jahren Mitglied bin, erwarb von den Berufsfischern die Angelscheine für seine Mitglieder. Ich habe mich immer gut mit den drei wichtigsten Berufsfischern meiner Jugend verstanden: Nic Molenaar, Gerrit Kroon und Tinus Kieft. Wir sind uns oft auf dem Wasser begegnet, manchmal half ich ihnen beim Einholen von Zugnetzen oder beim Freihacken der Reusen aus dem Eis, wenn der Winter einmal streng war.

Es wird am Anfang der 1960er Jahre gewesen sein, da musste ich beim Einholen der Zugnetze auf dem größten Gewässer des Eilandspolder helfen: der Mieuwijdt. Erstaunt betrachtete ich die große Zahl Zander zwischen den für mich “normalen” Fischen, wie Karpfen, Brassen, Rotaugen, Hechten und Schleien. Mein guter Bekannter Nic Molenaar erzählt mir, dass genau in diesem Teil des Polders oft Zander gefangen werden, dieser Tipp hat sich mir gut eingeprägt. Er erzählte mir auch, dass Zander besser als Hechte schmecken und weniger Gräten haben. Als Dank für meine Hilfe bekam ich einen 50er Zander für die Küche. Mein Vater hat diesen Zander von seiner rauen Haut befreit, dann filetiert und in Butter gebraten. Herrlich! Ich bekam von meiner Familie den Auftrag, etwas mehr auf diese Stachelträger mit Glasaugen zu fischen. Das wollte ich gerne probieren.

Jan Eggers’ Vater beim Köderfischstippen hinter dem alten Haus der Familie in De Rijp. Auch nach Jans Umzug blieb sein Hund Bobbie in De Rijp und fraß weiter Köderfische.

Wenn ich zurückschaue auf die 70er Jahre, hätte ich wohl öfters mit meinem Vater fischen sollen. Nun ja, ich hatte geheiratet, bekam einen neuen Job in Enkhuizen, zog um nach Bovenkarspel und der Nachwuchs ließ nicht lange auf sich warten. Zum Glück haben wir in dieser Zeit doch noch einige schöne Angeltage zusammen erlebt, wir machten immer eine Art Wettstreit daraus. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich vor allem mit lebenden Köderfischchen geangelt habe und mein Vater mit Fischfetzen, manchmal sogar nur mit einem Fischkopf als Köder. Er war zufrieden mit seinen Fängen, fing ab und zu sogar Exemplare über 70cm. Ich bereue heute, dass ich damals keine Fotos davon gemacht habe. Weil mein Vater Probleme mit seiner Lunge hatte, Ursache waren die viele Zigaretten, ging er schon 1978 in Frührente. Leider wurde sein Gesundheitszustand schlechter. Er fuhr immer seltener mit seinem Boot auf die Polder. Er baute aber daheim noch viele Zander-Laufposen aus Balsaholz, mit denen ich viele Jahre gefischt und von denen ich noch einen ordentlichen Vorrat habe.

Im Herbst 1980 hatte ich einen super Nachmittag auf der Mieuwijdt: vier Zander über 70cm und mein Vater hat ein Foto von diesem Fang gemacht. Anfang 1981 starb er viel zu früh mit nur 67 Jahren. Ich hätte noch gerne mit ihm rund um Bovenkarspel auf Zander gefischt.

Vier Zander an einem Nachmittag aus dem Jahr 1980: Auch Jan Eggers hat früher regelmäßig Zander für die Küche entnommen.

Gräben, Brücken und meine besten Stellen

Stellen mit hartem Boden zu finden war in den flurbereinigten Poldern wie Vier Noorderkoggen, Het Grootslag und De Drieban nicht schwer. Es wurden dort viele komplett neue Niedrigwasser-Gräben gegraben und einige bereits bestehende Gräben wurden bis auf die harte Lehmschicht ausgebaggert.

Vielleicht ist es interessant zu wissen, dass wir unser Haus an De Roos 1991 gekauft haben, als dort noch kein Stückchen Poldergraben zu sehen war. Die Gräben an der Ost- und Südseite unseres Hauses wurden erst kurz vor der Bauabnahme gegraben und zogen durch ihren harten Boden Zander an, die ich auch dort auch fing. Glaubt mir, vom eigenen Grund und Boden Köderfische, Hecht, Aal und auch Zander zu fangen, gibt Dir ein zufriedenes Gefühl. Deshalb wollte ich unbedingt ein Haus an einem fischreichen Gewässer. In den ersten Jahren nach dem Umzug fischte ich meistens nicht wie in De Rijp mit Köderfischchen auf Zander. Durch mein Guiding von Gastanglern, vor allem für die Ferienhausanglage De Vlietlanden, und die Popularität des Schleppfischens, wurde mehr und mehr mit Kunstködern gefischt.

Topstelle im Dunkeln: Unter diesem Düker erwischte Jan Eggers viele Zander.

Automatisch lernte ich so, auf welchen Stellen und mit welchen Kunstködern man am besten Zander fangen konnte. Das waren anfangs schlanke Wobbler wie der Rapala J-9 und J-11, am besten in den Farben Fluo-Orange und Fluo-Gelb. Ich wusste auch bereits, dass Väterchen Glasauge gerne unter Brücken und Dükern haust. Dort geht der Wobbler aber schnell kaputt, wenn er gegen Beton oder Holzpfähle prallt. Die Lösung waren Spinner oder Tandemspinner mit vorgeschaltetem Blei. Ihr Nachteil war, dass sie sich gerne am Grund festsetzten. Was habe ich alles an Hängern abgerissen… Ein Jammer!

Die besten Zanderstellen rund um Enkhuizen

Als ich später mit Twistern und Shads unter den Dükern fischte, hatte ich weniger Hänger, hakte aber auch weniger Zander, die sich mit einem Schwanzschlag davonmachten. Viele Gastangler kamen zum Ende ihrer Hollandtour mit der Frage zu mir, ob ich einen guten Tipp hätte, wie und wo sie einen Zander fangen könnten. Ich verstehe diese Frage natürlich. Hechte muss man hier bei uns zurücksetzen, aber Zander über 42cm dürfen mitgenommen werden, aber nicht mehr als zwei pro Angeltag. Beachtet werden muss auch, dass die Schonzeit für Zander vom 1. April bis zum letzten Samstag im Mai läuft. Als Antwort auf die Frage nach guten Zanderstellen, habe ich fünf Tipps: Alle Brücken und Düker auf dem Markerwaardweg zwischen Zwaagdijk und Medemblik.  De Broerdijk zwischen Oostwoud und der A-7 bei Abbekerk, weiter der Slimweg zwischen Voetakkers und Tolweg, die Gouw beim Streekbos und zu guter Letzt Düker und Brücken bei De Hulk wo der Jaagweg nach Avenhorn beginnt.

FISCH & FANG-Chefredakteur Henning Stühring fing diesen 80er Zander zusammen mit Jan Eggers bei Andijk.

Zander beim Hechtangeln und meine größten Exemplare

Ich hatte bereits einmal erwähnt, dass ich in den ersten Jahren nach dem Umzug gezielt mit lebenden Köderfischchen auf Zander angelte. Gerne ging mein Schwiegervater Dirk Beunder mit. Man kann sagen, dass die Familie auf beiden Seiten gerne gebratene Zander aß, auch ich selbst habe regelmäßig einen für die Küche mitgenommen. Das waren in den letzten 25 Jahren meistens Exemplare, die ich beim Schleppen oder Werfen mit Kunstködern auf Hecht als Beifang fing. Allen Abhandlungen über kleine Kunstköder und super leichtes Fischen zum Trotz fing ich Zander mit 14-20cm langen Wobblern, großen Musky-Spinnern, schweren Jerkbaits und sehr großen Gummifischen. Vor allem an den genannten Stellen erwischte ich mit ungewöhnlich großen Kunstködern Zander. Schon während des Drills merkte ich, ob da ein Hecht oder ein Zander am Haken hing.

Jans Schwiegervater Dirk Beunder mit dem gemeinsamen Fang aus dem Poldergewässer Gouw.
Jans größter Polderzander von 92cm biss auf einen Tandemwobbler.

Freund Zander macht mehr Kopfstöße und kommt weniger schnell an die Oberfläche als ein Hecht. Beim Landen der Hechte, egal ob klein oder groß, habe ich beinahe nie einen Kescher gebraucht. Ich packte sie mit dem Kiemengriff. Wenn aber ein großer Zander gelandet werden musste, brauchte ich den Unterfangkescher. Vor allem, wenn ich mit leichtem Material gefischt habe, hatte ich auch immer einen Kescher dabei. Mein größtes Glasauge hatte eine Länge von 95cm. Ich fing es in einem bekannten Zandergewässer: De Nieuwe Meer.

Ich angelte dort mit dem Profi-Volleyballer Geert Trompetter, der am Ufer dieses stark befischten Gewässers wohnte. Einen Meter-Zander habe ich nie erwischt, ich habe aber auch nicht gezielt darauf gefischt. Dass in meinen Poldern Exemplare von einem Meter und mehr vorkommen, bezweifele ich. Mein größter Polderzander war 92cm lang, ich fing ihn auf einen selbstgebauten Tandem-Wobbler, der aus einem 9 cm Rapala jointed mit einem nachgeschalteten 5 cm Shad Rap bestand. Rund um Wijdenes hatte ich noch nie einen Zander gefangen. Ich war deshalb auch sehr erstaunt, als ich nach einigen Jahren in einem kleinen Graben mit einem Jerkbait einen 87er Zander fing. Es gab sie also auch dort!

Der kleine Graben bei Wijdenes mit einer 87cm großen Überraschung.

Quasi als “Beifang” zu meiner Sammlung von Großhechten besitze ich auch viele Daten und Fotos von Zandern, die die Traumgrenze von 100 cm überschritten hatten. Vielleicht werde ich auch einmal einen Artikel zu diesem Thema schreiben. Wenn Interesse daran besteht, lasst es mich wissen. Genug getippt über Z wie Zander. Jetzt wo ich den Artikel korrekturlese, fällt mir auf, dass fast alles in der Vergangenheit geschrieben ist. Aber wenn ich die Fotos von Zandern sehe, die ich bei meinem Haus gefangen habe, werde ich optimistisch. Ich werde es im Herbst vielleicht mit totem Köderfisch von meinem Garten aus probieren, da geht bestimmt was!

Jan Eggers

Zum Teil 9…

Altes Familienfoto: Jan Eggers' Vater in seinem Boot auf Zanderjagd.
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