Haben Angler kurze Ruten?

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Markus Heine
Kompensieren auch Sie mit Ihrer Angelrute eine körperliche Unzulänglichkeit? Markus Heine nimmt die neuste Aktion der PETA aufs Korn.

FISCH & FANG-Redakteur Markus Heine zeigt Größe und nimmt Stellung zur neusten Anti-Angler-Aktion der PETA.

Zu kurz gekommen

Gut 33 Jahre lang war es mein kleines Geheimnis. Zum richtigen Problem wurde es auch erst in meiner Jugend. Als Erwachsener war mir schließlich klar, dass man aus einer Kleinigkeit keine große Sache machen kann, mag man sich auch noch so bemühen. Wohl oder übel musste ich damit leben.

Glücklicherweise ist mein Problem nicht offensichtlich. Es liegt eher im Verborgenen. Nur ganz besondere Menschen durften sich dessen annehmen – und das auch nur nach einem komplizierten Auswahlverfahren. Die Endrunde fand dann meistens im Dunkeln statt. Gut für mich und mein Handicap. Wurde es dennoch erkannt, konnte ich mich glücklich schätzen, dass darüber nicht gesprochen wird, zumindest nicht mit dem Betroffenen.

So lebte ich mein Leben. Mehr schlecht als recht. Bis ich es schaffte, meine Schwäche zu kompensieren – durchs Angeln! Ich stippte wie ein Weltmeister. In meinem Verein besaß ich die längste Kopfrute, die allerlängste. Meine Kollegen erblassten vor Neid. Ich wurde zu so einem tollen Hecht, dass ich es irgendwann sogar wagte, auf kürzere Matchruten umzuschwenken – immerhin auch noch 3,90 Meter lang. Damit konnte ich werfen wie kein Zweiter. Mein Problem schrumpfte so zu der Kleinigkeit, die es auch war. Vor Kurzem traute ich mich sogar an nur mannshohe Spinnruten heran. Zumindest, wenn ich alleine am Wasser war.

Haben Angler kurze Ruten? Mit dieser neuen Kampagne macht die Tierrechts-Organisation PETA Stimmung gegen Angler.

Doch damit ist es jetzt Schluss. Aus und vorbei. Am 9. September holte mich eine Pressemeldung der Tierschutz-Organiasation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) auf den Boden der Tatsachen zurück. Knallhart und gnadenlos. Einziger Trost: Anscheinend bin ich nicht allein, sondern nur einer von vielen. In Deutschland teilen fast vier Millionen Männer mein Leiden. Weltweit dürften es Hunderte Millionen sein.

Die Latte höher legen

Was ist passiert? Passend zur Problematik fragt PETA kurz und knapp: „Haben Angler kurze Ruten?“ Aktuelle Studien hätten gezeigt, „dass Männer, die sich unsicher in ihrer Männlichkeit fühlen, oftmals nach einem übertriebenen Ausgleich suchen, um sich auf andere Art und Weise besser zu fühlen“. Schließlich haben „die PETA-Superhirne diese Forschungsergebnisse mit der durchschnittlichen Penisgröße von Männern unter einen Hut gebracht und eine Formel entwickelt, mit der eine Verbindung zwischen Angelrute und ‚Rutengröße‘ berechnet werden kann.“

Ich habe diese Berechung auf www.peta.de/HabenAnglerkurzeRuten durchführen lassen. Natürlich ahnte ich das Ergebnis, war aber dennoch geschockt, dass meine Kleinigkeit so schonungslos aufgedeckt wurde. Es dauerte mehrere Wochen, bis ich mich wieder einigermaßen berappelt hatte. Zu meiner Genesung haben auch die Tipps der PETA „zur Behebung des Problemchens beigetragen“. So brachte ich mein „Liebesleben auf natürlichem Wege in Schwung“, und zwar mit „Brokkoli, Karotten, Tomaten und Süßkartoffeln“. Funktioniert hervorragend! Mein Tipp: Noch schwungvoller wird‘s mit Radieschen und Gürkchen!

Auch den Ratschlag einer Penisvergrößerung werde ich befolgen, schließlich soll man sich laut PETA „mit mehr in der Hose glücklicher fühlen“. Leider ist es momentan schwierig, einen Operationstermin zu bekommen. Fast vier Millionen deutsche Angler wollen bedient werden. Ertappte Sportwagenfahrer und Heimwerker verlängern die Wartezeiten. Glücklicherweise habe ich als Überbrückungsmaßnahme das Stabhochspringen für mich entdeckt … In diesem Sinne wünsche ich allen männlichen Lesern eine gute Genesung. Sie, liebe Leserinnen, stehen uns bitte bei.

Markus Heine

 

Sie dürfen sich freuen! In der November-Ausgabe der FISCH & FANG (ab 21. Oktober im Handel) erscheint ein Editorial und eine Klavinius-Karikatur zum Thema!

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