„Generation Youtube“ will Natur entdecken

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Angeln ist in jeder Hinsicht eine äußerst sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Foto: Johannes Arlt
Angeln ist in jeder Hinsicht eine äußerst sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Foto: Johannes Arlt

Die Natur ist uninteressant, Jagd und Fischerei sind nicht mehr zeitgemäß – so stellen sich viele die Ansichten der „Generation Youtube“ vor. Weit Gefehlt!

Die Studie „Fokus Naturbildung“  zeichnet ein ganz anderes Bild: Für die meisten Jugendlichen im Alter von 12- 15 Jahren gehört ein aktives Naturerlebnis zu einem guten Leben dazu.

Mit der Natur verbinden die Befragten vor allem Freiheit (74 %) und Abenteuer (71 %), aber auch Stille (53 %) und Gesundheit (42 %). Dort suchen sie Spaß und Action sowie einen Ausgleich zum Schulalltag (je 74 %). Das sind zentrale Ergebnisse der Studie „Fokus Naturbildung“ vom ECOLOG-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung. Auftraggeber waren der Deutsche Jagdverband e. V. (DJV), der i.m.a – information.medien.agrar e. V. und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V. (SDW).

Chancen für die Bildungsarbeit

Genau wie der DJV in seiner Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Studie, sieht der Deutsche Angelfischerverband e.V. (DAFV) in diesem Kontext großes Potenzial für außerschulische Lernangebote: „Die von den Kindern und Jugendlichen als überwiegend positiv benannten Gefühle gegenüber der Natur können zum Erwerb von Kompetenzen für nachhaltiges Handeln genutzt werden. So können außerschulische Lernangebote einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung umweltbewussten Verhaltens und dem Schutz natürlicher Ressourcen leisten und dazu das konkrete „Handwerkszeug“ anbieten. Insgesamt sind weniger starre Strukturen bei der Wissens- und Erfahrungsvermittlung erforderlich, um auf die Interessen und Bedürfnisse der jungen Menschen flexibler eingehen zu können. Die Studienergebnisse belegen, dass der Wille zum Naturschutz bei den Kindern und Jugendlichen groß ist, das Wissen um die eigenen Möglichkeiten allerdings eher gering. Im Sinne von Bildung für nachhaltige Entwicklung sollen sie sich selbst als aktiven Teil der Natur erleben und Handlungsspielräume finden.“

Schulprojekt Angeln

Dem weit verbreiteten Wunsch der Befragten nach Freiheit, Abenteuer und Stille in der Natur kommen zahlreiche Angebote der organisierten Angler in Deutschland entgegen.

Jugendliche stimmen einer schonenden Nutzung der Natur zu. Die Studie besagt jedoch, dass sie kaum Vorstellungen haben, wie diese aussehen kann. Die Einbindung in die Aktivitäten von Angelvereinen und Schulprojekten können diese Lücke füllen und zum Beispiel gut in die Nachmittagsangebote der Schulen integriert werden.

Kühe sind lila und Fische eckig?

Frühzeitiges Angeln fördert den persönlichen Reifeprozess. Prof. Dr. Wilfried Bos und Dr. Siegfried Uhl, Wissenschaftler und Dozenten aus dem Bereich der empirischen Bildungsforschung haben festgestellt: „Frühzeitiges Angeln kann bei Kindern Verständnis für die Belange von Natur- und Tierschutz und den persönlichen Reifeprozess fördern“.

„In Zeiten, in denen Kühe lila und Fische eckig sind, haben Kinder und Jugendliche über das Angeln die Möglichkeit, realistische Vorstellungen über die Gewinnung von Nahrungsmitteln und deren Lebensraum zu erlangen“, so Alexander Seggelke Geschäftsführer des DAFV.

Kinder ans Angeln heranführen

Der DAFV fordert flexible Regelungen zur Fischereiausübung durch Kinder und Jugendliche. Der DAFV und seine Mitgliedsverbände setzten sich deutschlandweit für die Durchführung von Schulprojekten und außerschulischen Angeboten für Kinder rund um das Thema Angeln ein. Dabei geht es um Umweltbildung, aber auch darum, das Angeln als eine Form der direkten Naturnutzung unter fachkundiger Anleitung im frühen Kindesalter zu erlernen.

Fischereirecht ist Länderrecht. Es gibt immer noch einige wenige Bundesländer in denen Kinder selbst unter Aufsicht erst ab einem gewissen Mindestalter angeln dürfen. Ob und ab wann fachkundige Eltern mit ihren Kindern Angeln gehen, oder Kinder im Rahmen von fachkundig geführten Ferienprogrammen an das Thema Angeln herangeführt werden, sollte den Eltern und Fachleuten überlassen werden und nicht per Gesetz geregelt werden. Die meisten Bundeländer haben das schon lange erkannt und damit gute Erfahrungen gemacht.

Man achtet nur, was man kennt

Die Zuwendung zu bestimmten Hobbies findet heute im frühen Kindesalter statt. Es gibt Ballettkurse ab 3 Jahren, Fußball- oder Hockeytraining können Kinder schon ab 4, oder einen Kletterkurs ab 6 Jahren belegen. Organisierte Freizeitangebote nehmen im Alter von 5 bis 6 Jahren bereits 50% der Kinder wahr; diese Einbindung steigt bis zum Alter von 9 bis 11 Jahren auf über 70%. Hürden durch den Gesetzgeber in Form eines pauschal verordneten Mindestalters schließt Kinder von sinnvollen Angeboten aus. Dabei ist es nach Ansicht des DAFV von Vorteil, wenn die Kinder möglichst früh mit der Natur vertraut werden. Ergebnisse der Forschung deuten darauf hin, dass eine positive Naturerfahrung, vor allem aus früher Kindheit, ein wesentlicher Antrieb zum Natur‐ und Landschaftserhalt im Verlauf des Lebens wird. Angelehnt an das Zitat von Goethe „Man sieht nur, was man weiß“ gilt im Natur- und Umweltschutz: Man achtet und schützt nur, was man kennt und versteht.

-pm-

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