Geeignete Gewässer gesucht: Edelkrebs-Besatz im Wesergebiet

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Edelkrebs vor seiner Höhle. Äußerlich lassen sich Edelkrebse aus dem Rhein-, Weser- oder Emseinzugsgebiet nicht unterscheiden. Bild: M. Möhlenkamp

Die heimischen Flusskrebsarten Edel- und Steinkrebs sind durch die massive Ausbreitung amerikanischer Flusskrebse und die von ihnen übertragene „Krebspest“ vom Aussterben bedroht.

Die Krebspest ist eine reine Flusskrebskrankheit, gegen die amerikanische Krebse weitgehend immun sind, aber europäische Flusskrebse keine Abwehrchance haben. Befallene Tiere sterben schnell und setzen wiederum viele Erreger ins Wasser frei, was in der Regel zum Verlust des gesamten Bestandes führt. Die Erreger können über alle Arten von Wassertransport übertragen werden. Ein Übertragungsweg ist Fischbesatz, bei dem große Mengen an Wasser verwendet werden. Aber auch über Haftwasser, z.B. an Gummistiefeln, Booten oder Wasservögeln, ist eine Übertragung möglich.

Durch die Vielfältigkeit der Übertragungswege wird es trotz Schutzbemühungen immer wieder zu Ausbrüchen der Krebspest kommen. Um die heimischen Flusskrebsarten zu erhalten, müssen diese Verluste über Wiederansiedlungsmaßnahmen ausgeglichen werden. Eine selbstständige Ausbereitung der heimischen Flusskrebse ist auf Grund des Vorkommens amerikanischer Flusskrebse in vielen großen Gewässern nicht mehr möglich.

Das Edelkrebsprojekt NRW führt dazu seit 2016 zusammen mit regionalen Partnern erfolgreich Wiederansiedlungsmaßnahmen in vorher als geeignet bewerteten Gewässern durch. Um genetische Unterschiede beim Edelkrebs zu erhalten, werden dabei die drei Gewässersysteme Rhein, Weser und Ems unterschieden. Nachdem bis 2018 nur Besatzkrebse des Rheinstammes zur Verfügung standen, konnte 2019 zum ersten Mal ein Gewässer im Wesereinzugsgebiet von NRW mit „Weserkrebsen“ besetzt werden. Die Besatzkrebse stammen bisher aus einer Krebszucht in Niedersachsen, mit dem eine enge Kooperation besteht. Zusätzlich wurde mit Besatzkrebsen dieser Herkunft ein Gewässer kurz hinter der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen besetzt. Die Lage der Besatzgewässer wird aus Artenschutzgründen nicht veröffentlicht.

In 2020 ist geplant Jungkrebse in zwei weiteren Gewässern im Wesereinzugsgebiet von NRW auszusetzen. In naher Zukunft sollen auch Besatzkrebse des Weserstammes in NRW selbst gezüchtet werden, die dann für weitere Wiederansiedlungen zur Verfügung stehen. Damit wäre dann eine weitere wichtiger Voraussetzung zum Erhalt des Edelkrebses in NRW geschaffen. Am Aufbau einer Nachzucht für „Emskrebse“ arbeitet das Edelkrebsprojekt NRW ebenfalls. Für das Emseinzugsgebiet existierte aber keine Edelkrebsnachzucht mehr wie für den Rhein- und Weserstamm. Daher müssen erst einmal Edelkrebse gefunden werden, die nachweislich aus diesem Emsgewässersystem stammen. Eine geeignete Teichanlage, in der die Nachzucht von „Emskrebsen“ erfolgen kann, steht schon zur Verfügung.

Sie können helfen, die heimischen Flusskrebse zu erhalten, indem Sie potentiell geeignete Wiederansiedlungsgewässer melden! Infoblatt zu Besatzkriterien…

Für Rückfragen: Edelkrebsprojekt NRW, Neustraße 7, 53902 Bad Münstereifel, E-Mail: info@edelkrebsprojektnrw.de, www.edelkrebsprojektNRW.de

Download: Flyer Anglerinfo Edelkrebs

-pm-

Etwas größere Bäche mit natürlicher Struktur eigene sich für die Ansiedlung des Edelkrebses, wenn keine amerikanischen Flusskrebse vorhanden sind. Bild: H. Groß
Auch Teiche und Seen können unter gewissen Voraussetzungen geeigneten Lebensraum für den Edelkrebs bieten. Bild: H. Groß
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