Die Nase – Österreichs Fisch des Jahres 2015

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Foto: Clemens Ratschan/ÖKF
Die Nase – in Österreich einst Massenfisch, jetzt im Bestand bedroht. Foto: Clemens Ratschan/ÖKF

In nur zwei Jahrzehnten hat sich der Bestand der Nase in Österreich vom Massenfisch hin zur gefährdeten Art entwickelt.

Dies veröffentlichte das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) am 15. Mai 2015 in einer Pressemitteilung. Die Nase, wissenschaftlicher Name Chondrostoma nasus, wird an der Donau auch „der Weisse“ genannt, ist ein bis zu zwei Kilo schwerer Cyprinide oder Weißfisch. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war die Nase der Brotfisch der Berufsfischer, in den großen Flüssen und Strömen waren Nasen die Hauptfische. Bis zu 70 Prozent der Fischbiomasse bestanden aus Nasen. Dieser Fisch war eine wichtige und vor allem billige Eiweißquelle für die Bevölkerung.

Aus den unveröffentlichten Studien E. Webers ist ersichtlich, im 19. Jahrhundert wurden aus der Donaustrecke von Wien bis Hainburg, also auf rund 50 Kilometern, im langjährigen Durchschnitt 166.550 Kilo Fische pro Jahr erbeutet. Die allermeisten davon waren Nasen. Das war keineswegs Raubbau, das war bloß die jährliche Zuwachsrate, in etwa 10 Prozent des Gesamtbestandes. Auf dieser Stromstrecke lebten daher rund 1,5 Millionen Fische. 100 Jahre später gab es keine Berufsfischerei mehr. Aber Weber errechnete im Jahr 1970, also 100 Jahre später, dass auf dieser Donaustrecke nur mehr 16.000 Kilo Fische pro Jahr hätten entnommen werden können.

Zum Überblick: Bis 1870 wurden pro Jahr entnommen: 166,55 Tonnen. 1970 hätten pro Jahr entnommen werden können: 16 Tonnen. Das zeigt uns, der Fischbestand war um mehr als 90 Prozent zurückgegangen!

Was sind die Ursachen?

1870 bis 75 wurde die große Donauregulierung durchgeführt. Der Strom wurde begradigt, die Sand- und Schotterbänke verschwanden, die Ufer wurden mit großen Steinblöcken gesichert, die Nebenarme wurden abgeschnitten und verlandeten, soweit sie nicht sofort zugeschüttet worden waren.

Damit gingen die Laichplätze und Kinderstuben der Fische verloren. Etwa zeitgleich wurden auf der Donau Dampfschiffe, später Motorschiffe eingesetzt. Der Wellenschlag schädigt nachhaltig Laich und Fischbrut.

Wasserkraftwerke gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts, aber der große Boom setzte ab 1950 ein. Der Donaustrom wurde durch Wasserkraftwerke völlig zerstückelt. Durch die Wehre werden die biologisch notwendigen Fischwanderungen unterbunden, stromab ziehende Fische finden in den Turbinen den Tod.

Es wurde noch schlimmer

Seit etwas mehr als 20 Jahren untersuchen die Professoren der Universität Wien, Dr. Fritz Schiemer und Dr. Hubert Keckeis, im Gebiet von Fischamend (an der Donau 25 Kilometer östlich von Wien) die Laichplätze der Nase. Das ist das Gebiet des heutigen Nationalparks Donauauen. Vor 20 Jahren gab es dort noch zehntausende Nasen. Die Bestände wurden aber von Jahr zu Jahr weniger. Im Jahr 2005 wurden an den uralten Laichplätzen nur mehr 2.000 bis 3.000 Nasen festgestellt. Und in der Laichzeit 2011 konnten die Wissenschaftler an den angestammten Laichplätzen keine einzige Nase mehr dokumentieren.

Was läuft da vor unseren Augen ab, auch wenn es kaum jemand wirklich zur Kenntnis nimmt? Im Nationalpark muss die Welt doch noch in Ordnung sein, das wird doch jeder annehmen. Also, was ist da los?

-Das Donaukraftwerk Freudenau wurde in Betrieb genommen. Nasen sind Weitwanderer, mit diesem Wasserkraftwerk gingen die stromauf im Stauraum liegenden Laichplätze verloren.

-Im Nationalpark rasen täglich mehrmals die Twin-City-Liner mit bis zu 70 km/h zwischen Wien und Bratislava hin und her und werfen gewaltige Wellen ans Ufer.

-Und jeden Winter fallen tausende Kormorane ein und fressen die Fische in den Wintereinständen.

-Die Ist-Bestands-Analyse des Umweltministeriums zeigt auf, 63 Prozent der österreichischen Gewässer sind in keinem guten Zustand.

Das sind die Gründe, warum die frühere Massenfischart Nase sogar im Nationalpark verschwindet. Das allgemeine Bewusstsein für unsere Umwelt konzentriert sich auf die Welt über der Wasseroberfläche. Wir Fischer bemühen uns zusammen mit der Wissenschaft, die schweren Schädigungen der Wasserwelt aufzuzeigen. Vor Jahrzehnten konnten wir von allen Brücken mit Begeisterung Fische sehen. Das sollten wir für unsere Kinder und Enkel wieder schaffen.

Info: www.oekf.at

ÖKF, Österreichisches Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz

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