Die Große Ysper/Niederösterreich

1928


Ysper
Bachforellen
Die ausdauernde Jagd mit der Fliege hat Petrus mit zwei schönen Bachforellen belohnt.

Wunderschöne Rotgetupfte, herrliche Regenbogen: Ende der 70er Jahre hatte Heinrich Wittich in der Großen Ysper in Nieder-Österreich Kapitale, prächtig gefärbte Bachforellen gefangen. Doch wie sieht das heute, 20 Jahre später, aus?

Von Heinrich Wittich

In den 70er angelte ich an der Großen Ysper in Niederösterreich mit sehr gutem Erfolg auf Bachforellen. Die Landschaft war traumhaft, und die Forellen mit ihren großen, leuchtendroten Punkten auf den dunkeloliv gefärbten Flanken begeisterten mich. Nun war ich wieder auf dem Weg zu den schönen Rotgetupften der Ysper. Was würde mich erwarten?

Auf halbem Weg zwischen Grein und Persenbeug – am Eingang zur Wachau – mündet die Große Ysper in die Donau, und genau hier befindet sich meine Unterkunft, die Pension „Donaublick“. Deren Besitzer, Fritz Grabner, betreut seit vielen Jahren mehr als 40 Kilometer der Kleinen und Großen Ysper: Still durch Wiesen fließende Bäche, die schließlich in einen Fluß mit tiefen Gumpen und urigen Felsbrocken übergehen. Früher hatte ich mit der Fliege viele Bachforellen in Längen von 33 bis 44 Zentimetern gefangen. Aber wie ist die Situation heute?

Schon gleich nach der Ankunft wandere ich den Fluss entlang, um zu erkunden, was sich verändert hat. Doch bereits die ersten Blicke lassen mein Herz höher schlagen. Überall freundliche Ringe, vorwiegend im ruhigen Wasser. Zwei Angler kreuzen meinen Weg und zeigen stolz zwei etwa 40 Zentimeter lange Bachforellen. – Ich habe genug gesehen und kehre zurück in die Pension.

Bereits der erste Wurf…

Die Zeit bis zum nächsten Morgen vergeht viel zu langsam. Ich habe die Rute bereits am Abend zuvor montiert und mir vorgenommen, zuerst mit der Trockenfliege zu angeln. Dort, wo ich die Ringe gesehen habe, setzt nun die kleine 16er Graue auf. Sie treibt etwa zwei Meter, und schon gibt es den erhofften Schwall. Was für ein Einstand nach all den Jahren. 33 Zentimeter lang ist sie, die Bachforelle. Mit großen, leuchtendroten Punkten auf braungrünen Flanken halte ich sie schließlich in der Hand – und bin glücklich. Die Ysper hat mich wieder.

Auch auf den nächsten paar 100 Metern kann ich noch mehrere Bachforellen, allerdings etwas kleinere, erbeuten. Ich stelle das Fischen erst einmal ein und suche nach Gumpen, die mir in Erinnerung geblieben sind. Mit Fliegen, Nymphen als auch Streamern fange ich zwar nur „kleine“ Fische, bin mir aber ganz sicher, dass auch große vorhanden sein müssen.

Am Tag darauf komme ich mit zwei Anglern ins Gespräch, die bereits in den ersten Stunden ihres Urlaubs prächtige Regenbogenforellen in Längen von 40 bis 50 Zentimetern gefangen hatten. Als Köder benutzten sie selbstgebundene Fliegen. Und was für welche. Streamer, so groß wie mein kleiner Finger: rot, schwarz, gelb oder bunt gefärbt – und alle mit einem respektablen Körper aus Blei!

Das Geheimnis der Ködertheke

Die Wirtin der Pension, Elisabeth Grabner, hat im Speiseraum eine kleine Vitrine mit allerlei Angelzubehör aufgestellt. Unter anderem enthält diese „Ködertheke“ ähnliche Muster wie die, welche die beiden Angelkollegen benutzt haben. Ich hatte die Exemplare zwar des öfteren gesehen, aber kaum beachtet, denn „mit solchen Apparaten kann man doch keiner Forelle nachstellen.“

Immer noch ein wenig skeptisch kaufe ich einige der Streamer und versuche mein Glück in der Großen Ysper. Der Erfolg lässt allerdings auf sich warten. Kein einziger Biss – weder in tiefen Gumpen noch in Gerinnen.

Schließlich wate ich über ein paar Felsbrocken zum gegenüberliegenden Ufer und wechsele den schwarzen Streamer gegen einen roten. Dort rauscht ein Kleinst-Wasserfall mit einer Höhe von 50 Zentimetern. Den Rotschwanz lasse ich in den Schwall fallen. Die Strömung wird ihn schon weitertragen.

Dazu jedoch kommt es nicht mehr. Kaum auf der Wasserfläche, ist der Köder auch schon in einem großen Maul verschwunden. Ein Hecht? Nein! Aus dem Wasser schießt eine starke, rotschimmernde Regenbogenforelle.

Es fällt mir nicht einfach, die ungestümen Attacken der Salmoniden zu parieren. Aber schließlich ist der 53 Zentimeter langen Fisch gelandet. – Was für ein Kraftpaket.

In den nächsten Tage stelle ich den Salmoniden der Kleinen Ysper mit verschiedenen Ködern nach. Ein Gast der Pension hat mir eine Stelle verraten, wo ihm eine große Forelle entkommen ist: ein Gumpen nahe der stillgelegten Forellenzuchtanstalt.

In einem langen Strömungszug oberhalb dieser Stelle lasse ich den Streamer treiben. Meine Beute: eine wunderschön gezeichnete Bachforelle von 45 Zentimetern. Eine Augenweide. Ich setze sie schonend zurück, wechsle die Stelle und parke den Wagen an der nicht weit entfernten Brücke.

Über Steinbrocken hinweg und unter tiefhängenden Büschen geht es etwa 100 Meter flussauf zu einem Gumpen. Aus einer Entfernung von etwa vier Metern präsentiere ich zunächst eine schwere Nassfliege, die durch die Rauschen treibt. Ohne Erfolg. Da muß wohl der Streamer her.

Am besten mit Streamern

Kaum berührt der rote Killer das Wasser, ist er bereits genommen. Ruck, zuck verschwinden vier, fünf Meter Schnur im Gumpen. Glücklicherweise habe ich ein 20er Vorfach montiert und lande nach spannendem Drill eine Regenbogenforelle.

Die Sache ist klar. Die Kapitalen in den Gumpen können nur mit tief geführten Streamern überlistet werden. Deshalb zieht es mich am späten Nachmittag noch einmal zur ehemaligen Fischzuchtanstalt. Dort hat die Strömung eine tiefe, langgezogene Auswaschung gebildet: ein guter Standplatz für einen großen Fisch.

Ich pirsche mich äußerst vorsichtig an die Rausche heran und befördere das rote Ungeheuer mit sanftem Schwung ins Wasser. Nichts. Wurf auf Wurf – aber der Biss bleibt. aus. Auch wenn sich hier nichts mehr tut, mit den Fangerfolgen in der Ysper bin ich äußerst zufrieden. Dennoch gönne ich mir, wie so oft, „noch zehn Wurf“.

Und das „Wunder“ geschieht – und das, obwohl ich genau die selbe Stelle angeworfen habe, wie bei den 30 Würfen zuvor. Nach einem ähnlich dramatischen Drill lande ich die größte Regenbogenforelle des Urlaubs: 55 Zentimeter lang. – Ich bin froh, den Weg hierher noch einmal gemacht zu haben. Besser hätte es nicht laufen können.

Die Große und die Kleine Ysper sind liebevoll gepflegte Flüsse mit einem guten Besatz. Fliegenfischer können 40 Kilometer Flußstrecke in idyllischer Natur beangeln. Im Mündungsbereich der Großen Ysper in die Donau kommen dann auch Friedfischangler voll auf ihre Kosten. Hier können sie die unterschiedlichsten Spezies in zum Teil kapitalen Größen erbeuten. Mein zweiter Besuch an der Ysper hat sich voll gelohnt.

Info: Gasthof Donaublick, E. und F. Grabner, Ysperdorf 3, A-3680 Persenbeug, Tel. 0043/7414/7228.

Stand 1999

Foto: Verfasser

Abo Fisch&Fang