Die Bode

5977


Watender Fliegenfischer
Wer ein echter Könner ist, wird beim Fliegenfischen an oder auch in der Bode durchaus manche herrliche Fischwaid erleben.
Gefangene Bachforelle
Die Bachforellen sind von eindrucksvoller Schönheit. Große Exemplare fallen am ehesten auf kleinste Fliegen herein.

Die Bode außerhalb des Harzes ist ein interessantes Gewässer – besonders für Fliegenfischer. FISCH & FANG nahm das Äschen- und Bachforellenrevier unter die Lupe und erlebte schöne Angelstunden.

03/2000

Von Bernd Kammerad

Vom Ostharz bis zur Einmündung in die Saale tummeln sich in der Bode derzeit mindestens 25 Fischarten. Das allerdings war nicht immer so: Bis zur Wende sorgten im Mittel- und Unterlauf des 167 Kilometer langen Flusses starke Abwassereinleitungen aus der Industrie für Fischsterben. In einzelnen Bodestrecken außerhalb des Harzes brach die Fischpopulation teilweise völlig zusammen. Heute jedoch bieten diese Flussabschnitte den Anglern gute Fischwaid – ganz besonders auf Äschen.

Ein für Fliegenfischer höchst interessanter Abschnitt ist die Strecke zwischen dem Austritt der Bode aus dem Harz bei Thale und der Einmündung des Bodemühlgrabens bei Ditfurt (unterhalb von Quedlinburg). Auf diesem etwa 20 Kilometer langen Abschnitt wechselt die Bode von der Forellenregion (oberhalb Thale) in die Äschenregion, um dann bei Quedlinburg in die Barbenregion überzugehen. Ursprünglich dominierte hier die farbenprächtige Bachforelle, zu der sich dann allmählich die Fischarten der Barbenregion hinzugesellten. Zu DDR-Zeiten waren nur oberhalb des Hüttenwerkes Thale ständig Bachforellen vorhanden. Die unterhalb liegenden Abschnitte dagegen waren häufig von Abwassereinleitungen und Fischsterben betroffen, obwohl jedes Mal relativ schnell eine Wiederbesiedlung mit Forellen aus den oberhalb liegenden Harzstrecken erfolgte.

Erfolgreicher Besatz

Unabhängig davon waren regelmäßige Besatzmaßnahmen nötig. Einer solchen noch vor der Wende durchgeführten Aktion entstammen die heute im gesamten Abschnitt vorkommenden Äschen. Diese Fischart war ursprünglich nicht in der Bode beheimatet und die Angelfreunde die die wenigen damals verfügbaren Besatzfische einsetzten hatten wohl nicht im entferntesten mit dem enormen Erfolg dieser Maßnahme gerechnet. Denn infolge des Rückgangs der Einleitung von schädlichen Industrieabwässern nach der Wende verbesserte sich die Wasserqualität zusehends was eine explosionsartige Vermehrung des Äschen-Bestandes in den zuvor nahezu fischfreien Abschnitten zwischen Quedlinburg und Thale zur Folge hatte.

Heute ist die Äsche fast im gesamten Bereich die Hauptbeute der Petri-Jünger. Nur oberhalb von Thale bis hin zum Beginn des Naturschutzgebietes „Bodetal“ dominiert die Bachforelle. Diese hatte im Gegensatz zur Äsche anfangs enorme Schwierigkeiten sich fortzupflanzen. Erst nach dem sogenannten Jahrhunderthochwasser 1994 das zur Umschichtung der stark versandeten und verschlammten Kiesbänke im Mittellauf der Bode führte ist wieder verstärkt natürlicher Forellennachwuchs zu beobachten. Da bis auf zwei kurze Abschnitte nur das Angeln mit künstlichen Ködern erlaubt ist werden Friedfische – wie Rotaugen Barben und Hasel – kaum beangelt.

Fast überall gut zu bewaten

Die besten Abschnitte zum Fliegenfischen, insbesondere mit der Trockenfliege, liegen im oberen Bereich der Strecke, die dort fast überall gut zugänglich und gut zu bewaten ist. Unterhalb von Thale, vor allem aber ab Neinstedt und Weddersleben, gibt es viele tiefe Kolke und ruhigere Abschnitte, die man vorsichtig bewaten sollte. Erschwert wird die Fliegenfischerei dort außerdem durch einen dichten, stellenweise urwaldartigen Baumbestand entlang der Bode-Ufer. Wer hier erfolgreich Äschen fangen will, muss sein Handwerk beherrschen.

Mir als Trockenfliegen-Angler sagt mehr der obere Abschnitt zu. Die meiner Ansicht nach beste Strecke, das Stadtgebiet von Thale, ist seit dem vergangenen Jahr jedoch leider zum größten Teil zur Schonstrecke erklärt worden. Da in der Regel alle maßigen Fische durch die Angler entnommen werden, ist es schwer, Äschen über 35 Zentimeter und Bachforellen über 30 Zentimeter zu fangen. Die zahlreichen untermaßigen Fische können an manchen Tagen regelrecht zur Plage werden.

Maßige Exemplare sind ausgesprochen vorsichtige Gesellen, beißen meist nur auf kleinste Fliegen (Größen 18 bis 20, bevorzugt graue und braune Muster) und steigen grundsätzlich nur bei bedecktem Himmel beziehungsweise in der Dämmerung. Ausnahmen sind selten und fallen zumeist auf den Saisonbeginn und in die Zeit zwischen Ende Mai und Ende Juni. Auch die letzten zwei bis drei Wochen zum Saisonende (30. November) sind eine gute Zeit fürs Äschenangeln mit kleinsten Trockenfliegen. Gerade in der letzten Novemberwoche fing ich regelmäßig die größten Exemplare des Jahres.

Wenn die Fische nicht steigen wollen, kommt man nicht umhin, mit kleinen Nymphen zu fischen. Während ich im Frühjahr und Sommer vor allem braune und olivfarbene Muster mit Goldkopf präsentiere, sind zum Saisonende hin orangerote und orangegelbe Flohkrebsimitationen am erfolgreichsten. Die Fängigkeit der orangefarbenen Nymphen beruht meiner Meinung nach darauf, daß die Äschen dann verstärkt abtreibende Forelleneier konsumieren. An den Strecken, wo mit natürlichen Ködern gefischt werden darf, kann man in dieser Zeit Äschen auch mit Dosenmais fangen – einem eher untypischen Köder für diese Fischart und nicht jedermanns Sache.

Die geschilderten Verhältnisse an der Bode, die sich von den Bedingungen an stark besetzten „Gasthausstrecken“ unterscheiden, werden gelegentlich von erfolgsgewohnten Fliegenfischern etwas belächelt. Das Prinzip des DAV allerdings beruht darauf, möglichst vielen Anglern, insbesondere auch Jugendlichen, preiswerte Gelegenheiten zum Angeln zu bieten. Dadurch ist der Befischungsdruck an den Salmonidengewässern recht hoch, und wer hier regelmäßig maßige Fische fängt, ist ein echter Könner.

Foto: Verfasser

Kasten:

Info

Abo Fisch&Fang