Devons aus Norwegen

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Zwei Peto-Spinner, hergestellt von C. Frogner aus Oslo. Norwegen ist reich an Lachsflüssen und speziellen Lachsködern.

Sören Fietz berichtet diesmal über die besondere Ausprägung, die der englische Lachsköder Devon-Spinner im nördlichen Skandinavien erfahren hat.

Er schrieb per Mail: „Moin Thomas, Devons gehören tendenziell nicht zu meinen bevorzugten Ködern, denn sie zeigen häufig das immer gleiche langweilige Erscheinungsbild. Zu den Ausnahmen von dieser tristen Eintönigkeit zählen für mich u. a. die hier im Blog kürzlich vorgestellten Devon-Modelle von Hardy oder die patentierten „Merveilleux“ von Gaston-Louis Trusson. Letztere sind sehr schön bunt bemalt und verfügen über sieben (!) mit unterschiedlich farbigen Garnen angebundene Einzelhaken.

Ich stelle heute jedoch zwei nicht weniger interessante und schöne, kürzlich entdeckte und umgehend zu meinen Lieblingsködern zählende Modelle vor: Devons zweier Hersteller aus Norwegen.

Meine Faszination gilt zum einen dem Peto Spinner von C. Frogner aus Oslo, der dort ein Eisenwaren- und Sportgeschäft führte, zum anderen dem Hulder von Alf A. Kolseth, von Beruf Stahlgraveur, der überdies ein breites Angebot außerordentlich hübscher Köder (http://www.123hjemmeside.no/helonwheels/123128482) produzierte.

Auf den Peto Spinner entfallen zwei Patente, leider waren Recherchen zu diesen beim norwegischen Patentamt erfolglos. So sind die Erfinder oder Anmelder der beiden Patente nicht eindeutig zu bestimmen, ich vermute aber, dass die Anmeldung sehr wahrscheinlich durch entweder die Person oder die Firma C. Frogner erfolgte. Unter der Patentnummer 63833 müssten spezifische Merkmale dieses Modells definiert worden sein, diese verbleiben aber bislang ungeklärt. Jedoch konnte ich auf anderen Wegen verschiedene interessante Informationen erhalten, u. a. dank des Norwegische Forstmuseums (https://digitaltmuseum.no/owners/NSK), das auch den Bereich Angelfischerei historisch dokumentiert, sowie einer Webseite über alte norwegische Angelköder (http://www.123hjemmeside.no/helonwheels). Der Peto Spinner wurde u. a. mittels einer Annonce (https://digitaltmuseum.no/011012985707/faksimile-av-annonse-fra-firmaet-c-frogner-as-i-oslo-publisert-i-norges) im Mitgliedsblatt Jakt – Fiske – Friluftsliv Nr. 6/1949 des norwegischen Jäger- und Fischerverbandes beworben. Dieser Devon muss demzufolge also vor 1949 entwickelt worden sein. Hinter der Patentnummer 63951 verbirgt sich der Anspruch auf einen permanent haftenden Farbanstrich, dies lässt sich zum einen durch den zur Patentnummer gemachten Zusatz „permanent farve“ und zum anderen durch den Fund einer weiteren Annonce (http://www.123hjemmeside.no/helonwheels/123128490) (vorletzte Abbildung), die dieses Patent sehr vereinfacht veranschaulich, begründen. Die mit Farbe zu versehenden Teile des Köders liegen vertieft und sind geriefelt. Durch die Riefelung soll die Farbe besser auf dem Metall haften, das Tieferliegen soll ein An- und Bestoßen der Farbe minimieren – nach vielen Jahrzehnten sind heute aber durchaus Farbverluste erkennbar.

Eine Besonderheit des Peto Spinners dürfte der Aufbau aus zwei miteinander verschraubten Halbschalen sein, sodass er von innen hohl ist – war dies eventuell patenwürdig? Außen zieren ihn eine Bemalung in rot und blau, ausdrucksstarke Augen und wunderschön verzierte Flossen, die den Devon in Rotation versetzen. In wie vielen Größen der Peto Spinner produziert wurde, ist mir nicht bekannt, ich vermute jedoch in zwei oder drei.

Dank der hervorragenden und online leicht abzurufenden Dokumentation der norwegischen Kulturgeschichte konnte ich Fotos (http://oslobilder.no/search?searchstring=%22c.+frogner%22) der Firma C. Frogner sowie des Geschäftsgebäudes in der Storgata/Storgaten 5 in Oslo finden. Wie gerne würde ich heute einen solchen Laden (http://oslobilder.no/OMU/OB.Z19062) betreten.

Zum Hulder von Kolseth kann ich nur wenig berichten. Dieser Köder soll ab ca. 1934 zunächst nur in einer Größe (13 g), wenige Jahre später dann in drei Größen (10, 15 und 30 (28) g) produziert worden sein. Den Hulder gab es in diversen Farben, bemalt und unbemalt. Die Bemalung meines Exemplars empfinde ich als traditionell norwegisch bzw. schwedisch. Die Hulder sind mit Eneret/Enerett gepunzt. Eneret heißt Alleinrecht und verweist wohl auf die Erteilung eines Patents oder Gebrauchsmusters. 1960 soll Alf. A. Kolseth die Produktion all seiner Modelle beendet haben. Wer Peto Spinner oder Hulder zu verkaufen hat, möge sich bitte bei mir melden. Liebe Grüße Sören“

Hallo Sören, ein Foto vom ‚Merveilleux‘ habe ich leider nicht. Auf jeden Fall auch ein toller Köder, bei den Franzosen gibt es übrigens jede Menge abenteuerliche Devon-Spinner. Ein tolles Sammelgebiet! Der ‚Le Merveilleux‘ („Der Wunderbare“) wurde um 1929 von Trusson in Contrisson an der Maas hergestellt. Die in Frankreich zum Patent angemeldete Hakenflucht aus sieben Einzelhaken ist wirklich außergewöhnlich. Bei einem Biss öffnet sich die Hakenflucht im Fischmaul wie ein Regenschirm, an jeder abstehenden Speiche ein Haken – die Beute hatte keine Chance. Dieser Köder war übrigens vor allem zum Forellenfischen gedacht, weniger für Lachs. Das Hakenlösen war jedenfalls kein Vergnügen, deshlab hat sich dieses System wohl auch nicht durchgesetzt… Der spätere Gummi-Devon von Rublex wurde übrigens auch als ‚Le Merveilleux‘ angepriesen. Beste Grüße Thomas

Wer weiß mehr? Infos und Fragen an thomas.kalweit@paulparey.de

Link-Tipp: Devon mit Schwenkflügeln aus Norwegen

Peto Spinner von C. Frogner aus Oslo
Nicht nur der Köder war patentiert, auch die spezielle "Permanente Farbe", die sich auch bis heute gut erhalten hat.
Peto Spinner von C. Frogner aus Oslo
Der "Peto" besteht aus zwei Halbschalen, die verschraubt wurden. So konnte der Produktionsprozess vereinfacht werden.
Hulder-Devons von Alf A. Kolseth.
Hulder von Alf A. Kolseth
Gemarkt mit "Hulder" und "Enerett", letzteres bedeutet übersetzt Exklusivrecht oder Monopol.
Hulder von Alf A. Kolseth
Charakteristisch für den "Hulder" ist die besondere Aufhängung der beiden seitlichen Haken.
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