Angeln günstiger machen – geht das überhaupt realistisch?

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Beim Angeln gibt es nur wenig umsonst. Doch gibt es Möglichkeiten, die Kosten ohne Einbuße zu senken? (Bild: stock.adobe.com/Nomad_Soul)

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Ein Angler zu sein, kann ziemlich ins Geld gehen. Aber ist es überhaupt möglich, an der einen oder anderen Stelle Einschnitte zu machen, ohne Erfolgschancen und Spaß einzutrüben?

Eine anständige Spinnrute, um dem cleveren Zander nachzustellen, für rund 80 Euro. Eine Karpfenrolle, die auch viele Schwergewichte schadlos übersteht, zu 60. Ein Überwurfzelt, um auch bei schlechtem Wetter am Wasser sitzen zu können, für 125 Euro. Vielleicht sogar ein Van als Zweitwagen nur für das Hobby, damit nicht vor und nach jeder Session langwierig ein- und ausgeladen werden muss.

Man könnte lange so weitermachen. Denn auch wenn es natürlich einige Angler gibt, die erfolgreich einen Low-Budget-Ansatz mit wenig mehr als einer Rute, einer Rolle und einem kleinen Koffer voller Köder und anderen Kleinteilen verfolgen, so summiert sich das Hobby bei vielen rasch auf hohe dreistellige und nicht selten sogar vierstellige Summen – Summen, die teilweise in regelmäßigen Abständen ausgegeben werden. Allein schon deshalb, weil es natürlich lockt, sich immer wieder Neues und Besseres zu gönnen.

Angesichts dessen stellt sich nicht nur vielen Neulingen, sondern auch manch langjährigem Routinier die Frage, ob sich unser Hobby überhaupt günstiger machen lässt, ohne untragbare Abstriche zu machen. Unserer Meinung nach ja – und im Folgenden zeigen wir die Möglichkeiten.

Langfristig denken und handeln – die wichtigste Regel

Wer statt der 80-Euro-Zanderrute eine für 40 Euro kauft, spart auf einen Schlag 40 Euro. Allerdings sind es häufig solche Spargedanken, die in die falsche Richtung zielen. Denn nicht immer, aber oft genug gilt im Angelsport die Regel, wonach ein höherer Preis meistens auch mit höherer Qualität und Langlebigkeit einhergeht.

Bedeutet das also das Aus für jeden Spargedanken? Nein. Es bedeutet nur, sich von dem Gedanken freizumachen, dass Sparen bedeutet, bei jedem einzelnen Kauf weniger auszugeben. Deutlich zielgerichteter ist ein langfristiger Ansatz. Frei nach dem Motto:

„Lieber einmal richtig Geld ausgeben, dafür aber auf lange Sicht deutlich weniger.“

Um bei dem Beispiel mit der Zanderrute zu bleiben: Jetzt 40 Euro auszugeben, würde Geld sparen. Da die Rute aber vielleicht nicht ganz so leistungsfähig und/oder langlebig ist, wäre vielleicht schon nach ein, zwei Jahren ein Neukauf fällig. Der würde den Preis mindestens auf 80 verdoppeln, eher aber noch darüber hinausgehen, weil beim Zweitkauf ein besseres Modell angeschafft werden soll. Wäre es das Stück für 80 Euro, hätte man somit bereits 120 ausgegeben; es wäre also deutlich günstiger gewesen, von Anfang an auf die teurere Rute zu setzen.

Tatsächlich sollten gerade Neu-Angler diese Maxime beherzigen. Es muss ja außerdem nicht gleich hochwertiges Equipment für unterschiedlichste Disziplinen sein. Lieber mit einer kleinen Gruppe von anvisierten Fischen und Gewässerarten starten. Dann lohnt es sich, wirklich Geld und vielleicht sogar einen Kredit in die Hand zu nehmen – nicht zuletzt deshalb, weil der bei sorgfältigem Vergleichen, dem richtigen Vorgehen und durch die derzeit so niedrigen Zinsen äußerst günstig ausfallen kann. Dazu muss man nicht unbedingt zur Hausbank gehen, sondern kann mittlerweile auch entsprechende Online-Portale nutzen.

Der Lohn des Aufwandes: Eine vollständige Ausrüstung für wenige konkrete Disziplinen, die nicht nur rein qualitativ für viele Jahre gut ist, sondern auch im Angesicht von mit steigender Erfahrung wachsenden Ansprüchen zufriedenstellende Leistungen liefert.

Natürlich könnte man alles neu kaufen. Das wäre aber immer die teuerste Lösung und hätte oft auch kaum wirkliche Vorteile. Bild: stock.adobe.com/nordroden)

Nicht grundsätzlich neu kaufen

Bei der letzten Allensbach-Erhebung 2020 gab es in Deutschland 6,57 Millionen Menschen, die mehr oder weniger häufig angelten. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum gab es nur 3,89 Millionen Motorboot-Enthusiasten.

Eine solche Menge an Angelsportbegeisterten bedeutet, dass es alljährlich zigtausende Angler gibt, die:

  • neue Ausrüstung kaufen und dafür alte Stücke verkaufen.
  • neue Ausrüstung kaufen, von dieser aber nicht überzeugt sind und sie rasch wieder veräußern.
  • das Hobby aus irgendwelchen Gründen aufgeben und ihr gesamtes Equipment verkaufen.
  • in das Hobby oder neue Teilbereiche hineinschnuppern, sich Ausrüstung kaufen, dann aber befinden, dass Angeln oder dieser Teilbereich doch nichts für sie ist.

Zwischen dem FISCH&FANG-Forum, lokalen Anglervereinen und den einschlägigen Kleinanzeigenportalen des Internets kursieren deshalb zu jeder Zeit unübertrieben riesige Mengen an angelsportlicher Ausrüstung.

Natürlich, darunter findet sich auch Antiquiertes, das nur noch dekorativen Wert hat. Ebenso ist der Gebrauchtmarkt aber auch eine vorzügliche Anlaufstation, um im Neuzustand sehr kostspielige Stücke zu einem Bruchteil des Neupreises zu bekommen – mit etwas Glück sogar nur wenige Male benutzt.

Wer wirklich sparen will, sollte deshalb bei jedem Kaufwunsch zunächst einen Blick auf den Gebrauchtwarenmarkt werfen. Zumal die Möglichkeit besteht, hier Dinge zu erstehen, die man sich im Neuzustand niemals gönnen würde, weil der Preis zu hoch ist.

Den Fischereischein (nach Möglichkeit) dort machen, wo er am günstigsten ist

Die Fischereigesetzgebung ist in Deutschland bekanntlich Ländersache. Und wie bei so vielen anderen Themen bedeutet das auch hierbei, dass es zwischen den Bundesländern teils deutliche Unterschiede gibt.

Einer davon sind die Kosten, die für den Angelschein und das dahinterstehende Prozedere zu bezahlen sind. Der zweite Punkt betrifft die Anerkennung von in anderen Bundesländern erworbenen Fischereischeinen.

Zwar können angehende Angler aufgrund des in einigen Bundesländern bestehenden Wohnortprinzips diese Möglichkeit nicht wahrnehmen; wessen Bundesland jedoch nicht fordert, dass auch die Prüfung in diesem Land abgelegt werden muss, der sollte zumindest Preisvergleiche betreiben und, sofern es zeitlich machbar ist (und selbst inklusive der Reisekosten eine echte Ersparnis bedeutet), lieber in ein günstigeres Bundesland ausweichen.

Wer zudem im Grenzgebiet zu folgenden Ländern lebt:

  • Dänemark,
  • Frankreich,
  • Luxemburg,
  • Niederlande,
  • Polen,
  • Schweiz,

der sollte sich auch gewahr sein, dass dort generell oder zumindest für einige Fischarten keine Prüfungsnachweise erforderlich sind – wer also sowieso in Grenznähe wohnt, kann somit dauerhaft um die deutschen Kosten herumkommen.

Gleiches gilt auch in einigen Bundesländern, in denen unter bestimmten Voraussetzungen eine Fischereierlaubnis auch ohne Prüfungsnachweise erworben werden kann; in Brandenburg beispielsweise seit 2006 auf Friedfische – zumindest für Gelegenheitsangler kann dies auf lange Sicht deutlich günstiger sein, als vollumfänglich in das Hobby einzusteigen.

Selbermachen spart primär auf lange Sicht einiges an Geld. Allerdings ist es auch ein entspannender Zeitvertreib, wenn Angeln selbst nicht möglich ist. Bild: stock.adobe.com/Kenjo

Umwandeln, Anpassen, Selbermachen

Ein fertig konfektionierter Halter, um mehrere Ruten unter dem Autodach aufzuhängen. Kostenpunkt rund 15 Euro – obwohl es sich eigentlich um wenig mehr handelt als ein Nylongurt mit verstellbaren Schlingen und einem elastischen Schlaufenband.

Auch hier gibt es viele solcher Beispiele. Natürlich, für Rolle, Rute und ähnliche Teile der Kern-Ausrüstung gibt es kaum Alternativen zu professionell hergestellten Stücken. Aber: Gerade an den „Rändern“ des Equipments gibt es zahllose Möglichkeiten, ähnliche Funktionalität für viel niedrigere Kosten zu erlangen – indem die Maxime „Selbst ist der Angler“ beherzigt wird.

Der erwähnte Rutenhalter beispielsweise lässt sich auf simpelste Weise mit dünnem Seil („Paracord“) und einer darin eingeflochtenen flexiblen Schnur („Bungee Cord“) am Küchentisch herstellen. Auch stumpf gewordene Haken können binnen Sekunden per Messer-Schleifstein wieder rasiermesserscharf werden. Tatsächlich gibt es sogar Angler, die ihre Gewichte zuhause in Serie produzieren – mit Eiswürfelformen aus Silikon, Beton und etwas Draht.

Tatsächlich benötigt es für eine derartige Form von Selbermachen nicht einmal hohe handwerkliche Fähigkeiten. Auch umfangreiche (und teure) Werkzeugbestände sind nicht nötig. Meist braucht es nur eine große Portion Kreativität – und vielleicht auch die Erkenntnis, dass es für den Angelsport spätestens im Netz zwar alles zu kaufen gibt, aber sehr vieles auch ebenso gut in Eigenregie ohne jegliche Einbußen jenseits der Kosten hergestellt werden kann.

Vielleicht abermals nicht übermäßig sparsam für den Moment, aber auf lange Sicht eine deutliche Entlastung für das Portemonnaie und zudem die Möglichkeit, perfekt auf die eigenen Ansprüche zugeschnittene Ausrüstung zu besitzen.

Einmal ganz abgesehen davon, dass dieses Selbermachen es auch noch möglich macht, sich mit dem Angeln zu befassen, wenn es derzeit keine Option ist, draußen am Wasser zu sitzen.

Zusammengefasst

Es gibt Dinge im Angelsport, die haben ihren Preis, um den es keinen Umweg gibt. Allerdings ist es ebenso an vielen Stellen möglich, tatsächlich den einen oder anderen Euro einzusparen. Das gilt ganz besonders, wenn man lernt, das Thema Ausrüstung auf ähnlich lange Sicht zu begreifen, wie das geruhsame, entspannte Ansitzen am Rande eines Gewässers – da gibt es meist auch keine schnellen Lösungen.

Abo Fisch&Fang