Angeln auf La Gomera

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Vom felsigen Ufer aus lassen sich auf La Gomera kapitale Königsbarsche fangen. Bilder: Markus Mette

Reisen ist jetzt langsam wieder möglich und viele wollen beim Urlaub auf einer Insel auch einmal die Angel schwingen. Markus Mette ist Spezialist für die Kanaren und hat für uns die wichtigsten Infos zusammengestellt.

Nur knapp vier Flugstunden vom Deutschen Festland aus entfernt liegt ein noch unberührtes und fast unbekanntes Anglerparadies. Die kleine Insel La Gomera. La Gomera ist die zweitkleinste Kanarische Insel und diese hat gerade mal eine Gesamtfläche von knapp 370 Quadratkilometern. Mit gerade mal 22.000 Einwohnern, von denen knapp 9.000 in der Inselhauptstadt San Sebastian wohnen, ist La Gomera zudem noch sehr dünn besiedelt. Die erschwerte Anreise und die Tatsache, dass es auf La Gomera keine weißen Sandstrände gibt, haben dazu beigetragen, dass La Gomera noch nicht vom Massentourismus überrannt wurde wie die anderen großen Inseln.

La Gomera hat keinen eigenen Flughafen für große Flugzeuge, der Zielflughafen ist Teneriffa-Süd. Vom Flughafen Teneriffa-Süd muss man erst einmal zum Hafen von Los Cristianos gelangen, um dann mit der Fähre nach La Gomera überzusetzen. Im Hafen von San Sebastian de La Gomera angekommen, muss dann noch eine ca. 1-2 stündige Busfahrt in das jeweilige Zielgebiet eingeplant werden. Hört sich alles langwieriger an, als es tatsächlich ist! Belohnt wird man mit einer abwechslungsreichen und sehr ursprünglichen Landschaft, einem ganzjährig milden Klima und kristallklarem Wasser voller Futterfische. Bunte Blumenlandschaften im immergrünen Nationalpark Garajonay wechseln sich mit steppenartigen Gebieten und mediterranen Palmenlandschaften ab. Es scheint, als ob die hier Zeit hier stehengeblieben ist. Viele abgelegene Stellen auf der Insel sehen so aus, als ob diese noch nie von einem Menschen betreten wurden. Niemand würde sich darüber wundern, wenn aus dem immergrünen und dicht bewachsenen Dickicht des Regenwaldes ein Dinosaurier springen würde, so ursprünglich erscheint einem diese surreale Landschaft.

Auch Hornhechte in guten Größen beißen beim Cliffangeln.
Die Strände auf La Gomera sind eher steinig und klein.

Kein leichtes Revier

Ein leichtes Angelrevier ist La Gomera allerdings nicht. Senkrecht abfallende Küstenabschnitte, tosende Wellen und zerklüftete Felsformationen prägen das Bild der zweitkleinsten Kanareninsel. Potente und gut zugängliche Angelstellen muss man suchen und selbst, wenn man diese dann gefunden hat, kann einem der anhaltende Nordwind einen Strich durch die Rechnung machen. Aber wenn man dann eine gute Stelle gefunden und ein wenig Ausdauer mitgebracht hat, wird man mit kapitalen Fischen und atemberaubenden Drills belohnt.

La Gomera ist noch nicht ganz so überfisch wie die anderen Kanarischen Inseln und von dem hier vorkommenden Fischreichtum können die großen Schwesterinseln nur träumen. Aggressive Blaufische, blitzschnelle Atlantische Bonitos, stattliche Bernsteinmakrelen, armdicke Hornhechte und natürlich kapitale Barrakudas gehen in regelmäßigen Abständen an den Haken. Aber auch eher unbekannte Exoten, wie beispielsweise Wrack-, Zacken- oder Königsbarsche werden in regelmäßigen Abständen vom Ufer aus gefangen.

Am erfolgreichsten ist das aktive Spinnfischen vom Ufer aus. Hier kann man getrost die ganze Palette an Kunstködern in den Koffer packen, wobei Wobbler, Gummifische und Popper zur Pflichtausrüstung gehören. Das Gerät sollte allerdings ein wenig stabiler gewählt werden. Salzwasserfische sind wahre Muskelpakete und so zieht ein Atlantischer Bonito von gerade mal 5 Kilogramm Gewicht die ersten 30 Meter Schnur innerhalb weniger Sekunden von der Rolle – auch bei fast geschlossener Bremse! Insbesondere die Fischarten aus der Familie der Makrelen und Thunfische, zu denen beispielsweise auch der Bonito oder auch der Wahoo gehören, sind beeindruckende Kraftpakete und der Drill kann zu einem echten Abenteuer ausarten.

Auch vom kleinen Boot aus lassen sich schöne Fänge machen.
Bootsangeln vor der Küste der Vulkaninsel La Gomera, mit wüstenhaftem Panorama.

Gerät und Köder

Wie oben schon kurz erwähnt, sollten Rute und Rolle etwas robuster ausfallen als beim Raubfischangeln im Süßwasser. Und sowohl Rute, als auch Rolle müssen salzwasserfeste sein, ansonsten hat man damit nicht viel Vergnügen. Mit einer 2,70 – 3,00 Meter langen Rute mit einem Wurfgewicht von 30 – 60 Gramm ist man für den Anfang gut gerüstet. Wichtig ist, dass die Rute eine harte Spitzenaktion aufweist und die Rolle eine gute Bremse hat. Der erste Anschlag muss direkt sitzen. Viele Salzwasserfische haben ein ziemlich hartes Maul und wenn der Anhieb nicht sitzt, dann kann man sicher sein, dass der Fisch während des Drills mit Leichtigkeit aussteigt.

Mit einer hochwertigen geflochtenen Schnur mit einem Durchmesser von 0,18 – 0,25mm ist man gut gerüstet, auch wenn mal ein kapitaler Blaufisch einsteigt. Stahlvorfächer reduzieren in dem glasklaren Wasser drastisch die Bissfrequenz, deswegen ist ein langes Fluorocarbon-Vorfach die bessere Wahl. Dieses wird direkt mit der Hauptschnur verbunden, da Wirbel eine eher abschreckende Wirkung haben können. Ein langes Gaff, ein solider Hakenlöser und ein Gripper gehören ebenfalls zur Pflichtausrüstung.

Einsame, fast menschenleere Strände.

Angellizenz Kanaren

Im Internet liest man immer wieder, dass es nicht notwendig sei, sich eine Angellizenz für die Kanaren zu besorgen. Das ist natürlich falsch! Auch auf den Kanaren benötigt man eine gültige Angellizenz. Diese kann man sich relativ unkompliziert in jedem Rathaus der dafür zuständigen Gemeinde besorgen. Der Preis liegt, je nach gewünschter Kategorie, zwischen 16,00 und 26,00€. Mit dieser Lizenz kann man 3 Jahre lang auf allen Kanarischen Inseln angeln gehen. Für die örtlichen Süßwasserseen benötigt man eine gesonderte Erlaubnis. Kinder unter 14 Jahren benötigen keine gesonderte Lizenz zum Fischen. Man wird von der örtlichen Polizei, hier Guardia Civil genannt, zwar nicht oft kontrolliert, aber wenn, dann kann es schnell unangenehm werden.

Örtlicher Angelguide

Auf La Gomera gibt es mittlerweile einige Anbieter, welche kleine Plastikboote stundenweise vermieten und damit werben, dass man „mal eben“ eine Runde zum Fischen rausfahren kann. Ein Bootsführerschein benötigt man in diesem Fall nicht. Als ortsansässiger Angelguide, der schon über 15 Jahre auf La Gomera angelt, rate hiervon allerdings ausdrücklich ab! „Der Atlantik ist nicht der Bodensee und das Wetter kann sich innerhalb weniger Minuten schlagartig ändern! Wenn der Wind dann noch mehrfach die Richtung ändert und die Wellen höher werden, dann möchten Sie nicht in so einer kleinen Nussschale mit einem 5-PS Motor sitzen. Ich habe da schon viele böse Geschichten gehört und auch selber miterlebt“

Wer dennoch mit dem Boot rausfahren möchte um ein paar Fische an den Haken zu bekommen, der kann sich mit gutem Gewissen an mich wenden, ich kenne die Gewässer vor La Gomeras Küsten wie meine Westentasche. In erster Linie biete ich Guiding vom Ufer oder Kajak aus an. Das Spinnfischen ist dabei meine bevorzugte Lieblingsmethode. Auf meiner Webseite „Gomera-Fishing“ finden Sie viele hilfreiche Insidertipps über die erfolgreichsten Kunstköder, die besten Hotspots und das richtige Angelgerät. Ich angele schon sein halbes Leben auf den Kanaren und so wundert es nicht, dass ich Gudingtouren auch auf allen anderen Kanarischen Inseln anbiete.

Beim Küstenangeln sind immer unerwartet schöne Fänge möglich.

Unterkunft und Transfer

Wer jetzt mit dem Gedanken spielt, Markus einen Besuch abzustatten, der kann sich an die deutschsprachige und örtlich ansässige Agentur Canarianfeeling wenden. Hier können Sie nicht nur Ihre Unterkunft buchen, sondern auch dem Transferservice vom Flughafen zum Apartment.

Markus Mette

Immergrüner Nebelwald im Nationalpark Garajonay auf La Gomera.
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