Ältester Anglerverein Deutschlands kommt aus Berlin

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Fahne

Die „Angelfreunde 1866“ begehen ihren 140. Jahrestag: Spender für die Restaurierung der Vereinsfahne werden gesucht.

16.02.2006

Die ersten Angelvereine in Deutschland wurden in einer Zeit gegründet, als sich die Arbeiter in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts politisch zu organisieren begannen. So wurde am 8. März 1866 in Berlin der erste Angelverein Deutschlands unter dem Namen „Central-Verein der Angelfreunde 1866 zu Berlin“ ins Vereinsregister eingetragen. Dieser Verein ist heute noch im Landesverband Berlin des DAV unter dem Namen „Angelfreunde 1866“ aktiv und begeht mit seinen Mitgliedern und vielen Gästen am 11. März 2006 seinen 140. Jahrestag. Aus diesem Anlass findet im Kongress-Hotel in Berlin-Rahnsdorf unter der Schirmherrschaft von DAV-Präsident Bernd Mikulin eine Festveranstaltung statt, auf der dieser historische Meilenstein und die Leistungen des Vereins „Angelfreunde 1866“ mit einer kleinen Ausstellung gewürdigt werden. Glanzstücke der Ausstellung sind die 1875 von den Vereinsfrauen gestickte und gestiftete Vereinsfahne und das Protokollbuch aus den Jahren 1884 bis 1907. Anlässlich des 140jährigen Bestehens des Vereins hat der Vereinsvorstand beschlossen, dem Zerfall der Fahne entgegenzuwirken. Da eine Restaurierung beziehungsweise die Herstellung eines Duplikats nach Kostenvoranschlag einer Paramenten-Werkstatt etwa 30.000 Euro kosten wird, wurde ein bundesweiter Spendenaufruf gestartet. Spendenkonto des Angelvereins „Angelfreunde 1866“ e.V.:

Berliner Volksbank

BLZ: 10 09 00 00

Konto-Nr.: 56 24 89 47 09

Verwendungszweck: „Spende Fahne“ Auf Anfrage wird eine Spendenquittung ausgestellt: Heinz Haase, Birkenstraße 52, 12621 Berlin, Telefon: (030) 5 66 38 19, E-Mail: hd.hobbyangler@freenet.de, www.angelfreunde.1866.net.ms.

Gründungsgeschichte

Wenn auch die ersten Vereine allgemeiner Art wie Schützen-, Gesangs-, Frauenvereine usw. zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland entstanden, so kam es bei den Anglern erst viel später zu den ersten Vereinsgründungen, nämlich erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dies geschah – wie kann es bei Anglern anders sein – beim Angeln selbst. Angler trafen sich beim Stippen und stellten gemeinsame Interessen fest. Dabei kamen dann auch bald erste Gedanken zu einer Vereinsgründung auf. Die eigentliche Grundidee entstand bei einem fidelen Angeln der Mühlenberger und Stralauer Angler an der Spree. Diese Idee ließ die Angler dann auch nicht mehr los. Schon bei einer nächsten Gelegenheit, und zwar bei der Einweihung der Mühlenberger Anglervilla in Stralau, kamen beide Gruppen überein, einen Verein zu bilden. Gesagt, getan und so fand im Jahre 1858 bei „Mundt“ in der Köpenicker Straße 100 die Gründungsversammlung statt. In den Jahren zwischen 1858 und 1863 nahm die Anzahl der Mitglieder ständig zu. Als sie schließlich 1863 von 30 auf 80 anstieg, musste man sich schon erste Gedanken zu einer offiziellen und gesetzlich rechtmäßigen Vereinsgründung machen. Der Vorstand des Vereins hatte deshalb Statuten und alle für eine Vereinseintragung erforderlichen Unterlagen ausgearbeitet und der Polizeibehörde vorgelegt. Sie wurden genehmigt und somit wurde der Verein am 8. März 1866 unter der Policen-Nummer 148 in das Berliner Vereinsregister eingetragen. Er gab sich den Namen „Central-Verein der Angelfreunde 1866 zu Berlin.“ Die Gründung und amtliche Eintragung des Vereins war für viele Angler in Berlin zugleich ein Signal dafür, sich ebenfalls in Gemeinschaften zu formieren. Die Gründe, sich zu organisieren, lagen hauptsächlich darin, mit vereinter Kraft spezielle Anglerinteressen deutlich zu machen und auch durchzusetzen. Dazu gehörte auch, den Wert des Angelns als gesundheitsfördernde Freizeibetätigung herauszustellen, Angeln für die arbeitenden Menschen zu ermöglichen, Naturschutz zu betreiben sowie Unterstützung durch gesetzgeberische Maßnahmen zu fordern, wie z. B. die Einführung von Schonzeiten, Mindestmaßen und Fangbegrenzungen.

Vereinsleben

Nach alten Quellen hat sich damals der Verein gut entwickelt. Es war aus Platzgründen mehrmals notwendig, das Vereinslokal zu wechseln. Für ein bequemes und auch erfolgreiches Angeln wurde über viele Jahre hinweg der Rummelsburger See gepachtet. Er wurde sozusagen zur Heimstatt des Vereins. Im Protokoll vom 6. Oktober 1866 wird allerdings Klage darüber geführt, dass der See total verkrautet sei. Gemeinschaftsangeln wurde vom Kahn aus vorwiegend an der „Liebesinsel“ durchgeführt. Dieses endete dann immer mit einem ausgiebigen Frühstück! Dass die Gründungsväter durchaus hohe Ansprüche an ihre Arbeit stellten, ergibt sich aus dem Protokoll vom 18. März 1869. Darin heißt es: „Man könne in dem jetzigen Lokal nicht mit gutem Überzieher und Hut kommen. Erstens ist kein genügender Platz zum Aufhängen der Sachen vorhanden, zweitens sei alles voll Schmutz und Staub, drittens läuft man Gefahr, daß die Sachen zerdrückt sind, da entweder die Haken an den Kleiderriegeln fehlten oder die Riegel abfielen. Die Stühle, wenn überhaupt welche da waren, kann man nicht zum Sitzen gebrauchen, die Türen knarren, auch ist keine Öffnung vorhanden, wo der Qualm und die schlechte Luft abziehen können. Kurz, das ganze Lokal ist höchst mangelhaft. Ergebnis: Der Wirt versprach, das Lokal vollständig renovieren zu lassen.“ Im März 1875 stifteten die Vereinsfrauen dem Verein eine Fahne. Sie zeigt kunstvolle Stickereien auf Seidentuch und wurde am 6. März 1875 geweiht. Noch heute befindet sie sich im Besitz des Vereins. Sie hat die rund 130 Jahre ihrer Existenz nicht unbeschadet überstanden. Der Zahn der Zeit hat an ihr gewaltig genagt, und der Vereinsvorstand sah sich im Jahre 2005 in der Verantwortung, notwendige Schritte für ihre Restaurierung in die Wege zu leiten. Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde der Ruf nach einer einheitlich und zentral geführten Dachorganisation der deutschen Angler immer lauter. Ausgangspunkt dafür waren insbesondere die Festlegungen im Preußischen Fischereigesetz, das viele Einschränkungen für die Angler beinhaltete. Sie beleidigten die Angler bis in das Innerste ihrer Seele, so dass Handeln angesagt war. Im Herbst 1899 beschloss deshalb der Vorstand vom „Central-Verein der Angelfreunde 1866 zu Berlin“ hiergegen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorzugehen. In dieser Situation ergriff der Verein die Initiative, und unter Zustimmung verschiedener Vereine „aus dem Reiche“, wie es hieß, wurden die Berliner Vereine beauftragt, ein Komitee zu gründen, welches erste Schritte zur Einigung aller Angler zu einem deutschen Anglerbund einleiten sollte. Umgehend bildeten sie zu Beginn des Jahres 1900 das „Komitee zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Anglerbundes“ und veröffentlichten einen „Aufruf zur Begründung eines allgemeinen Deutschen Angler-Bundes.“ Das konsequente Vorgehen der Angler war erfolgreich. Am 31. Mai 1900 wurde der „Deutsche Angler-Bund“ (DAB) gegründet. Maßgeblichen Einfluss auf diese Entwicklung hatten zwei Mitglieder des Vereins: der Berliner praktische Arzt Herr Dr. Brehm (Sohn des Zoologen Alfred Brehm) und der Zeitungsverleger Herr Carl Paeske. Nach Gründung des DAB wurde Dr. Brehm Vizepräsident des Deutschen Angler-Bundes und Carl Paeske Generalsekretär.

Von den Weltkriegen bis heute

Der Weg des Vereins lässt sich deutlich an Hand von alten Zeitschriften verfolgen; sie zeigen klar, dass er zu allen Zeiten, insbesondere in der Berliner Anglerschaft, eine bedeutende Rolle spielte. Besonders häufig wurde in der Zeit zwischen 1934 und 1943 in der Zeitschrift „Der deutsche Sportangler“ unter der Rubrik „Vereinsnachrichten“ über die Geschehnisse im Verein berichtet. In der Ausgabe dieser Zeitschrift vom März 1936 findet sich z. B. folgende Notiz: „Am 3. März feiert der älteste deutsche Anglerverein, der ‚Zentralverein der Angelfreunde, Berlin-Stralau‘ sein 70jähriges Stiftungsfest im Restaurant Tübbecke, Alt-Stralau. Gäste sind herzlich willkommen.“ Stiftungsfeste fanden übrigens in jedem Jahr im März unter reger Beteiligung der Mitglieder und zahlreicher Gäste statt. Besonders große Verdienste an der Erhaltung und dem Fortbestehen des Vereins hatte der Sportfreund Alwin Vetter aus Berlin. Aus den Kriegswirren der letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges heraus und im Übergang danach bewahrte er die Existenz des Vereins. Im Jahre 1940 wurde er zum kommissarischen Vereinsvorsitzenden bestimmt, initiierte bereits 1946 die „Angelsparte“ beim Bezirksamt Berlin-Friedrichshain und 1954 die „DAV-Ortsgruppe Friedrichshain“. Er war bis 1967, drei Jahre vor seinem Ableben, Vereinsvorsitzender und hatte großen Anteil an der Gründung des Deutschen Anglerverbandes. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Überwinden erster Schwierigkeiten im Organisationsaufbau wurde im Mai 1954 der Deutsche Anglerverband gegründet. Die von der Regierung der DDR am 14. Oktober 1954 erlassene „Verordnung zur Förderung des Angelsportes“ war eine wichtige Grundlage für die Entwicklung des DAV und damit des Vereins. Er trug von da an den Namen „DAV-Ortsgruppe Berlin-Friedrichshain“. Die Mitgliederzahl stieg zeitweilig bis auf 600 Anglerinnen und Angler an. Die Ortsgruppe nahm aktiv an Turnierveranstaltungen bis zu den höchsten Ebenen teil, belegte bei den Mannschafts- und Einzeldisziplinen zahlreiche vordere Plätze. Natürlich kam bei uns das eigentliche Angeln auch nie zu kurz, und so war und ist das Vereinsleben erstklassig. Die Kinder- und Jugendarbeit nahm dabei eine vorrangige Stelle ein. Heute hat der eingetragener Verein insgesamt 55 Mitglieder, davon 5 Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren. Seit 1956 haben die „Angelfreunde 1866“ am Seddinsee bei Gosen ein etwa 1.000 m² großes Vereinsgrundstück. Darauf haben die Vereinsmitglieder in mühevoller Kleinarbeit ein Wohnboot zum Anglerheim ausgebaut. Sie nennen es liebevoll „Unsere Johanna“. Viele der Vereinsmitglieder haben eigene Boote, und das Jahresprogramm ist vielseitig und interessant. Es besteht insbesondere aus dem Hegefischen, bei dem auch der Familiensinn gepflegt wird, der Durchführung von Castingsportveranstaltungen, einer guten Entwicklung der Jugendarbeit und aus engen Freundschaftsbeziehungen zu zwei anderen Anglervereinen. -pm-

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